Wenn der Geist die Gemeinde baut

Wenn der Geist die Gemeinde baut

Autor: Markus Rex

 

Zu Pfingsten vor rund 2000 Jahren wurde durch den schon lange zuvor verheißenen Heiligen Geist die Gemeinde ins Leben gerufen und vom Geist Gottes geprägt und gebaut. Auch die gegenwärtige Gemeinde Christi braucht den Geist Christi. Die bloße Bezeichnung »Christlich« reicht nicht aus. Wenn Gläubige vom Geist Christi erfüllt sind, kann der derselbe Geist auch heute Seine Gemeinde bauen.

 

In unseren Breiten steht Selbstverwirklichung hoch im Kurs. Etwas Eigenes zum Nutzen für die Allgemeinheit aufzugeben, kommt kaum in Frage. Stattdessen steht das eigene Wohlbefinden vermehrt im Mittelpunkt. Diese Entwicklung prägt auch die Gemeinden immer stärker. Wenn aber der Geist die Gemeinde baut, geschehen folgende Dinge:

 

1. Menschen werden Teil des Volkes Gottes

 

Gott wollte schon immer ein Volk als sein heiliges Eigentum haben, in dessen Mitte er wohnen konnte. Das war schon im AT so und hat sich bis heute nicht verändert. Damals war Israel das Volk Gottes, heute ist es die Gemeinde, bestehend aus gläubigen Juden und gläubigen Heiden.

 

In Apostelgeschichte 2,38-47 lesen wir, dass Menschen das verkündigte Evangelium annahmen (v.41), gerettet wurden (v.40), die Gabe des Heiligen Geistes empfingen (v.38) und zum Gemeindevolk hinzugetan wurden.

 

… so sollt ihr vor allen Völkern mein besonderes Eigentum sein … ihr aber sollt mir ein Königreich von Priestern und ein heiliges Volk sein! (2 Mo 19,5-6).

 

Und ich will in der Mitte der Kinder Israels wohnen, und ich will ihr Gott sein. (2 Mo 29,45).

 

… wie Gott zuerst sein Augenmerk darauf richtete, aus den Heidenein Volk für seinen Namen anzunehmen. (Apg 15,14)
 

… und für sich selbst ein Volk zum besonderen Eigentum zu reinigen, das eifrig ist, gute Werke zu tun. (Tit 2,14)
 

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, ein königliches Priestertum, ein heiliges Volk, ein Volk des Eigentums … die ihr einst nicht ein Volk wart, jetzt aber Gottes Volk seid, und einst nicht begnadigt wart, jetzt aber begnadigt seid. (1 Pe 2,9-10)

 

Wenn Gott die Gemeinde sieht, dann sieht er sie als sein Volk. Es gibt keine Privaterlösung. Es geht um mehr, als nur um das persönliche Gesegnet-Sein. Ja natürlich liebt Gott den Einzelnen und kümmert sich um seine individuellen Belange. Trotz allem möchte er aber ein Volk haben, das in dieser Welt als solches wahrgenommen wird und als ein solches auftritt. Der Glaube ist keine Privatsache. Gott segnet uns immer so gut er kann, aber der Rahmen, den die Bibel uns vorgibt, zeigt, dass Gott vorzugsweise an und durch sein gesamtes Volk handelt.

 

2. Menschen werden in Gottes Familie hineingeboren

 

Wenn jemand an Jesus gläubig wird, macht der Heilige Geist ihn zu einem neuen Menschen und er wird in die Familie Gottes hineingeboren. Das Volk Gottes weltweit besteht sozusagen aus den einzelnen (Gemeinde-) Familien vor Ort. Der Geist Gottes bezeugt uns in unserem Inneren, dass wir Kinder Gottes sind.

 

Denn ihr habt nicht einen Geist der Knechtschaft empfangen, dass ihr euch wiederum fürchten müsstet, sondern ihr habt den Geist der Sohnschaft empfangen, in dem wir rufen: Abba, Vater! Der Geist selbst gibt Zeugnis zusammen mit unserem Geist, dass wir Gottes Kinder sind. (Rö 8,15-16)

 

Weil ihr nun Söhne seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesandt, der ruft: Abba, Vater! (Gal 4,6)

 

Menschen werden durch den Geist Gottes in die Familie Gottes hineingeboren. Ein gutes Familienleben verträgt sich nicht mit selbstsüchtigem Verhalten. Wenn der Geist die Gemeinde baut, dann steht die Gemeinschaft und das Miteinander im Vordergrund. Paulus schrieb an die Philipper:

 

Gibt es nun [bei euch] Ermahnung in Christus, gibt es Zuspruch der Liebe, gibt es Gemeinschaft des Geistes … (Phil 2,1).

 

»Gemeinschaft des Geistes« bedeutet zum einen, dass wir mit dem Heiligen Geist selbst Gemeinschaft haben. Hauptsächlich geht es in diesem Vers aber um eine Gemeinschaft der Gläubigen untereinander – eine Gemeinschaft, die der Geist bewirkt. Diese wird dann in den folgenden Versen beschrieben. Wer geistlich wach und voll des Geistes ist, der tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz. In Demut achtet er den anderen höher als sich selbst, indem er nicht nur sich im Blick hat, sondern auch die Interessen des anderen (v.3-4).

 

3. Verschiedenartige Menschen bilden einen Leib

 

Gottes Volk im Alten Bund bestand aus einer einzigen Nation, die in sich eine Einheit bildete. Die Gemeinde hingegen ist keine homogene Masse. Menschen aus verschiedenen Hintergründen und Kulturen treffen hier aufeinander. Die größte Kluft bestand damals zwischen den Juden und den Heiden. Menschen von beiden Seiten wurden schließlich wiedergeboren, mit dem Heiligen Geist erfüllt und der Gemeinde hinzugetan.

 

Denn wir sind ja alle durch einen Geist in einen Leib hinein getauft worden, ob wir Juden sind oder Griechen, Knechte oder Freie, und wir sind alle getränkt worden zu einem Geist. (1 Kor 12,13)

 

… und um die beiden in einem Leib mit Gott zu versöhnen durch das Kreuz (Eph 2,16)

 

Ein Leib und ein Geist, wie ihr auch berufen seid zu einer Hoffnung eurer Berufung. (Eph 4,4)

 

Innerhalb der damaligen Gemeinden kam es immer wieder zu heftigen Auseinandersetzungen zu Fragen der Beschneidung und den Vorschriften des Gesetzes. Juden und Heiden in ein und derselben Gemeinde zusammenzubringen, war die schwierigste Herausforderung für die ersten Apostel. Aber der Geist baute die Gemeinde. Nach langen Debatten und dem Ringen nach einer Lösung fassten sie alles in einem Brief für die Gemeinden zusammen: »Es hat nämlich dem Heiligen Geist und uns gefallen …« (Apg 15,28). Der Geist gab die Antwort und hielt Juden und Heiden zusammen.

 

Je mehr Menschen gläubig wurden, umso mehr Konflikte gab es. Immer wieder wird in den Briefen hervorgehoben, dass es in Christus weder Jude noch Grieche gibt. Auch hat die Frau in der Gemeinde die gleiche Stellung wie der Mann. Damals war das unerhört – und ist es in manchen Kreisen auch heute noch. In Christus gibt es keinen Unterschied zwischen Sklaven und Herren. Und es ist egal, ob man Fleisch isst oder nur Gemüse, denn das eine ist nicht geistlicher als das andere.

 

Man stelle sich nur einmal vor, sie wären damals nicht voll Heiligen Geistes gewesen. Dann hätten sie womöglich eine Gemeinde der Fleisch-Esser und eine der Gemüse-Esser gebildet, anstatt zusammenzuhalten. Eine kuriose Vorstellung? In unseren Tagen gibt es separate Gemeinden, wegen Generationskonflikten, Musikstilen, Strukturfragen u.a.. (Der einzige legitime Grund sich zu trennen ist wegen Glaubensinhalten.)

 

Den Aposteln ging es darum, dass die Gemeinde nicht zersplittert wird und sich nicht an solchen Nebensächlichkeiten aufreibt. Schließlich sollten sie doch mit einem Munde, d.h. einmütig Gott loben (Röm 15,5-6). Interessanterweise werden Neid, Streit, Hader und dergleichen im Neuen Testament immer dem »Fleisch« zugeordnet. Der Geist Gottes hingegen bewirkt Einheit und Harmonie.

 

4. In den Zusammenkünften stellen gläubige Menschen den Tempel Gottes dar

 

Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid, und dass der Geist Gottes in euch wohnt? Wenn jemand den Tempel Gottes verderbt, den wird Gott verderben; denn der Tempel Gottes ist heilig, und der seid ihr. (1 Kor 3,16-17)

 

Wie stimmt der Tempel Gottes mit Götzenbildern überein? Denn ihr seid ein Tempel des lebendigen Gottes, wie Gott gesagt hat: »Ich will in ihnen wohnen und unter ihnen wandeln und will ihr Gott sein, und sie sollen mein Volk sein« (2 Kor 6,16)

 

In der ursprünglichen Bedeutung stellte die Gemeinde als Tempel Gottes einen Kontrast zu den Götzentempeln in der heidnischen Welt dar. Heute wird der Konsum, das Geld, der Spaß u.a. »angebetet«. Die Zusammenkünfte der Christen bilden dazu einen Kontrast. Gemeinde ist mehr als ein bloßer Treffpunkt der Gläubigen. Ja, wir Christen brauchen einander und sollen uns gegenseitig helfen. Der höhere Zweck des Zusammenkommens ist und bleibt aber die Anbetung Gottes.

 

So lasst auch ihr euch nun als lebendige Steine aufbauen, als ein geistlichesHaus, als ein heiliges Priestertum, um <geistliche Opfer darzubringen, die Gott wohlgefällig sind durch Jesus Christus. (1 Petr 2,5)

 

Der Tempel des Neuen Bundes ist kein Gebäude mehr. Er besteht aus lebendigen Steinen – den jeweils versammelten Gemeindegliedern – die ein geistliches Haus bilden. Die Versammlung ist das heilige Priestertum, das geistliche Opfer (w. Lobpreisopfer) darbringt. Das ist die Anbetung im Geist, von der Jesus sprach. Jeder bringt etwas mit, was dann unter der Leitung des Heiligen Geistes zur Ehre Gottes dargebracht wird.

 

Zusammenfassend können wir sagen, wenn der Geist die Gemeinde baut, dann rücken die Gläubigen enger zusammen. Eine der mächtigsten Wirkungen des Heiligen Geistes ist, dass er Menschen zusammenbringt und sie trotz aller Meinungsverschiedenheiten, Geschmäcker, Musikstile, kultureller und sozialer Unterschiede zusammenhält. »Und sie wurden alle mit Heiligem Geist erfüllt … und die Menge der Gläubigen war ein Herz und eine Seele …« (Apg 4,31-32). Diese Einheit im Geist bildet die Grundlage für die Manifestationen des Geistes.

 

Monat 03-2016 wugffo.de