Die Vergebung der Sünden

Die Vergebung der Sünden

Autor: Markus Rex

 

Epheser 1:7
In ihm haben wir die Erlösung durch sein Blut, die Vergebung der Übertretungen (Sünden) nach dem Reichtum seiner Gnade.
 
Kolosser 1:14
In dem wir die Erlösung haben durch sein Blut, die Vergebung der Sünden.
 
Wir haben die Vergebung der Sünden, Preis sei Gott! Wir erlangen sie nicht irgendwann einmal,  die Sünden sind uns in Christus bereits vergeben worden. Das ist ein wesentlicher Teil unserer Erlösung. Darauf haben die Apostel in der Verkündigung des Evangeliums ein besonderes Gewicht gelegt. Sie haben ganz klar Vergebung und somit Versöhnung mit Gott gepredigt (siehe Apg.10:43; 13:38; 2.Kor.5:19).
 
Im Prinzip glauben alle Christen an die Vergebung der Sünden. Doch wenn man auf die Vergangenheit zu sprechen kommt, sieht die Sache plötzlich anders aus. Mit einem mal wird darauf bestanden, dass die Sünden der Vergangenheit zuerst bewältigt, aufgearbeitet oder einzeln aufgezählt und bekannt werden müssen, bevor jemand echte Vergebung empfangen kann.
An dieser Stelle müssen wir feststellen, dass ein Christ quasi zwei Vergangenheiten hat, die wir klar auseinander halten müssen. Einmal die Vergangenheit des Lebens als Sünder und dann die Vergangenheit nach der Bekehrung – die Vergangenheit als Christ. Werden diese zwei “Vergangenheiten” verwechselt, entsteht leicht eine theologische Schieflage.
 
Nun, nach dem was die Bibel lehrt (siehe nochmals Apg.10:43; 13:38; 2.Kor.5:19)), müssen wir grundsätzlich feststellen: Wer immer die Erlösung in Christus annimmt, erhält gleichzeitig die Vergebung der Sünden aus seinem Leben ohne Gott, und zwar ohne die Sünden einzeln benennen zu müssen. (Natürlich muss sich ein Mensch dazu stellen, dass er ein Sünder ist und sich somit eingestehen, dass er Rettung und Vergebung braucht.) Diese sündige Vergangenheit sollte im Leben von Christen also keine Rolle mehr spielen. Im folgenden einige Verse, in denen zwar nicht das Wort “Vergebung” steht, die es aber nicht weniger klar zum Ausdruck bringen.
 
… aber ihr seid abgewaschen … worden … (1. Kor. 6:11)
… die Reinigung von seinen früheren Sünden … (2.Petr.1:9)
… dass er erschienen ist, um unsere Sünden hinwegzunehmen … (1.Joh.3:5)
 
Nun ist es so, dass sich etliche Christen trotzdem noch mit Fehlern ihres vormals sündigen Lebenswandels herumschlagen. Manchmal sind es Resultate bzw. Konsequenzen aus ihrem alten Leben. (Wenn es sinnvoll und machbar ist, sollten hier Beziehungen wiederherstellt, Wiedergutmachung geleistet oder Schulden abbezahlt werden. Auf diese Dinge möchte ich hier nicht im Einzelnen eingehen, da das zu weit führen würde.)
Oftmals sind es aber auch nur Gefühle der Selbstverdammnis bzw. ein schlechtes Gewissen, weil die Vergebung der Sünden als geistliche Tatsache noch nicht realisiert wurde. Der Teufel tut hier sein Bestes, um uns immer wieder an vergangene Fehler zu erinnern. Was können wir tun? In Paulus haben wir ein gutes Beispiel, wie wir unsere Vergangenheit endgültig hinter uns lassen können. Paulus wusste sehr wohl um seine Vergangenheit, dass er gegen Gott gearbeitet hatte und die Jünger verfolgte (1.Tim.1:13-16). Viele kamen durch seine Nachstellungen zu Schaden oder sogar ums Leben. Wie ist er damit umgegangen?
 
Philipper 3:6,13-14
… im Hinblick auf den Eifer ein Verfolger der Gemeinde, im Hinblick auf die Gerechtigkeit im Gesetz untadelig gewesen … eines aber tue ich: Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was vor mir liegt, und jage auf das Ziel zu, den Kampfpreis der himmlischen Berufung Gottes in Christus Jesus.
 
“Ich vergesse, was dahinten ist!” Paulus hat nicht versucht, seine Vergangenheit aufzuarbeiten, sondern er hat sie schlichtweg vergessen. Vergessen heißt, sie nicht mehr in Betracht zu ziehen.
Gott selbst geht mit unseren vergangen Sünden genauso um – Er vergisst sie.
 
Jesaja 43:25
Ich, ich tilge deine Übertretungen um meinetwillen, und an deine Sünden will ich nie mehr gedenken!
 
Wir müssen verstehen, dass wir als Christen geistlich von neuem geboren sind (siehe Joh.3:3; 2.Kor.7:17; 1.Petr.1:3). Als neugeborene geistliche Kinder haben wir vor Gott gar keine sündige Vergangenheit mehr. Die Neue Geburt bedeutet ein neues Leben, einen neuen Anfang. Vom alten Leben sind wir abgeschnitten. Wir stammen jetzt nicht mehr länger von Adam ab, sondern von Christus, der der Erstling der Neuen Schöpfung ist. Wir haben nicht länger teil an der Sündennatur Adams, sondern sind Teilhaber des neuen Lebens in Christus. Unsere Erlösung schließt somit auch die Loslösung von allen Flüchen und Erbsünden unserer Eltern, Großeltern, usw. mit ein. Petrus schreibt dazu: “Denn ihr wisst ja, dass ihr … losgekauft worden seid aus eurem nichtigen, von den Vätern überlieferten Wandel” (1.Petrus 1:18).
 
Wie schon gesagt sollten die Sünden und Fehler aus dem früheren Leben ohne Gott  für uns also kein Thema mehr sein. Ein neues Leben in der Nachfolge Jesu hat begonnen. Das möchte ich anhand eines Bildes noch etwas ausführlicher erläutern.
Der christliche Glaube wird als Weg bezeichnet (Apg.18:25,26; 19:9; 24:14,22), den jemand zunächst einmal einschlagen muss, um ihn dann zurückzulegen. Der Startpunkt ist die geistliche Wiedergeburt. Jetzt folgt der christliche Wandel. Wir befinden uns in einem Lauf (1.Kor.9:24-27; 2.Tim.4:6; Hebr.12:1) auf das himmlische Ziel zu. Die Wiedergeburt ist eine abgeschlossene Handlung, der Lauf hingegen ist ein lebenslanger Prozess, der als Erneuerung oder Heiligung bezeichnet wird und dazu führt, Christus ähnlicher zu werden und für Gott Frucht zu bringen.
Das Problem ist nur, dass manche Christen nach ihrer Bekehrung nicht konsequent losgelaufen sind. Manche leben so sehr nach “weltlicher” Weise oder nach alten Gewohnheiten, dass sie darin regelrecht steckengeblieben sind. Ein Startschuss, der sie in Bewegung bringt, kann da hilfreich sein. Das kann ein Seelsorgegespräch, ein Befreiungsgebet oder ein spezifisches Sündenbekenntnis sein. Wir müssen hierbei aber beachten, dass solche u.ä. Dinge biblisch nicht unbedingt notwendig sind. Je nach Persönlichkeit und seelischer Verfassung können sie für  manche Menschen dennoch eine Hilfe sein. Wichtig ist das Loslaufen, und das kann mit oder ohne Startschuss geschehen. Wenn jemand nicht losläuft und ein Täter des Wortes wird, nützt der beste Startschuss nichts.
 
Welche Bedeutung hat das Sündenbekenntnis?
Bevor ein Mensch die Erlösung annehmen kann, muss er  sich selbst und vor Gott ehrlich eingestehen, dass er ein Sünder ist und Rettung braucht. Daraufhin tut er Buße, d.h. seine ganze Lebenseinstellung ändert sich und er bekennt Jesus als seinen HERRN und lebt fortan nach dem Willen Gottes. Eine umfassende Lebensbeichte, manchmal bis in vergangene Generationen hinweg, kennt das Neue Testament nicht. (Ein detailliertes Sündenbekenntnis kann aber für einzelne hilfreich sein, wenn sie dadurch endlich akzeptieren, dass ihre Sünden tatsächlich vergeben sind.) Beim Lesen des Neuen Testamentes fällt jedenfalls auf, dass nur die Gläubigen aufgefordert werden, ihre Sünden zu bekennen, die sie als Christen getan haben. Die Ungläubigen hingegen werden aufgefordert, Buße zu tun, d.h. sich Gott zuzuwenden.
 
Gott will, dass wir in der Nachfolge vorankommen, dass wir los- bzw. weitergehen, d.h. uns permanent weiterentwickeln. Leider gelingt das nicht immer so problemlos. Manche kommen zu Fall, bleiben stecken oder geraten sogar auf Abwege. Dennoch bleiben wir in Seiner Gnade und Gott bleibt uns gegenüber treu.
 
1. Johannes 1:7 – 2:1
Wenn wir aber im Licht wandeln, wie er im Licht ist, so haben wir Gemeinschaft miteinander, und das Blut Jesu Christi, seines Sohnes, reinigt uns von aller Sünde. Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so verführen wir uns selbst, und die Wahrheit ist nicht in uns. Wenn wir aber unsere Sünden bekennen, so ist er treu und gerecht, dass er uns die Sünden vergibt und uns reinigt von aller Ungerechtigkeit. Wenn wir sagen, dass wir nicht gesündigt haben, so machen wir ihn zum Lügner, und sein Wort ist nicht in uns. Meine Kinder, dies schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt! Und wenn jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher bei dem Vater, Jesus Christus, den Gerechten.
 
Preis sei Gott! Wenn wir unsere, als Christen begangenen Sünden bekennen, vergibt Er uns.
Aber was ist, wenn jemand als Christ jahrelang “fleischlich” gelebt hat. Irgendwann wendet er sich Gott schließlich wieder ernsthaft zu. Was ist mit alĺ den Sünden seiner “christlichen” Vergangenheit? Für ein Pärchen zum Beispiel, das ohne Trauschein zusammengelebt hat, ist ja jeder sexuelle Umgang Unzucht gewesen. Muss das alles nun im Einzelnen bekannt werden? Im Prinzip ist ja alles, was wir ohne Glauben und außerhalb der Liebe Gottes tun Sünde (Röm.14; Joh.13).
Nun, wo immer dein Gewissen dich anklagt, diese Dinge solltest du vor Gott bekennen und ganz bewusst Vergebung empfangen. Es ist aber unsinnig, sich verkrampft an jede einzelne der begangenen Sünden zurückerinnern zu wollen, aus Angst, dass diese  sonst nicht vergeben sind. Der Teufel tut sein Bestes, uns immer wieder an vergangene Fehler zu erinnern, um uns so zu schwächen und uns davon abzuhalten, für Gott wirksam zu werden.
Wir müssen hier grundsätzlich festhalten, dass Gott eine klare Umkehr bzw. Abkehr vom sündigen Leben lieber ist, als eine lange Aufarbeitungszeit vergangener Fehler. Eine aufrichtige Abkehr von einer sündigen Lebensweise beinhaltet gleichzeitig auch die Vergebung aller einzelnen Tatsünden. (Manchmal müssen aber noch einige Dinge im zwischenmenschlichen Bereich geklärt werden.) Gott will, dass wir weitergehen, und auf diesem Weg reinigt Er uns von allen unbewussten oder vergessenen Sünden.
 
Wann vergibt Gott uns denn? Erst wenn wir um Vergebung bitten oder schon vorher? Nun, das Blut Jesu ist ausreichend für uns vergangenen wie auch alle zukünftigen Sünden, die wir eventuell noch begehen werden. Im Prinzip hat Gott uns schon im Voraus vergeben. (siehe das Gleichnis vom verlorenen Sohn).  Welche Bedeutung hat denn noch das Sündenbekenntnis? Es stellt unsere Gemeinschaft mit Gott wieder her. Ein schlechtes Gewissen trübt diese Gemeinschaft, unser Glaube wird geschwächt und unsere Gebete stark behindert (vergl. 1.Joh.3:19-21).
 
Wir können das mit einer guten Ehe vergleichen. Sie lebt von der gegenseitigen Vergebung der Ehepartner, und zwar bevor der andere sein Fehlverhalten eingesteht. Aus Liebe zu seinem Partner und für ein weiteres harmonisches Zusammenleben wird der “schuldige” Teil aber auch zu seinen Fehlern stehen und seinem Partner sagen: Es tut mir leid!
In diesem Zusammenhang müssen wir auch die Stelle im Jakobusbrief sehen:
 
Jakobus 5:15-16
Und das Gebet des Glaubens wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; und wenn er Sünden begangen hat, so wird ihm vergeben werden. Bekennt einander die Übertretungen und betet füreinander, damit ihr geheilt werdet! Das Gebet eines Gerechten vermag viel, wenn es ernstlich ist.
 
Offenbar liegt die Ursache für manche Krankheit in unserem lieblosen und somit sündhaften Umgang miteinander. Hier werden wir aufgefordert, das zu bekennen und abzuschaffen, was wir einander angetan und womit wir uns gegenseitig verletzt haben.
Es gilt aber auch zu beachten, dass die Bibel uns weder durch die o.g. Verse noch sonst irgendwo einen Hinweis darauf liefert, dass jeder Christ alle seine Sünden vor jedem anderen Christen bekennen soll. Auch wird nirgendwo in der Bibel gelehrt, dass man von bestimmten Sünden nur loskommen und für sie Vergebung erhalten kann, wenn sie vor einem Seelsorger bekannt werden.
 
Fazit:
Wir müssen genauso an die Vergebung der Sünden glauben, wie wir an unsere Errettung glauben. Nur so wird ein reines Gewissen und ein Bewusstsein der Gerechtigkeit Gottes in unserem Leben zur dauerhaften Realität.

 

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