Ewigkeit

Zeit und Ewigkeit

Autor: Markus Rex

 

Die Ewigkeit ist ein Begriff, der unsere menschliche Vorstellungskraft sprengt. Jetzt leben wir in Zeit und Raum, d.h. es ist (fast) alles messbar und für unseren Verstand zu begreifen. Die Ewigkeit hingegen ist eine geistliche Dimension, die unser Verstehen übersteigt. Doch der denkende Mensch erahnt sie. Schon immer hat ihn die große Frage beschäftigt: Was kommt nach dem Tod? Dass dann alles aus und zu Ende sein soll, scheint unfassbarer zu sein, als die Ewigkeit selbst. Doch wie geht es weiter? Menschen, die ohne Gott leben, haben Angst vor dem großen Unbekannten, dass sie erwartet.

 

Ewigkeit bzw. ewig (grch. aion bzw. aionios) wurde schon zu biblischen Zeiten umgangssprachlich für eine sehr lange Zeitspanne verwendet. So wird aionos in Lukas1:70 folgerichtig mit von alters her wiedergegeben. In Johannes 9:32 (nach H.f.A.) heißt es: Noch nie, seit die Welt besteht… .

Als theologischer Begriff wird aion für Zeitalter (mit einem Anfang und einem Ende) und Ewigkeit (im Sinne von Endlosigkeit) verwendet. Im Grunde können wir nur aus dem Zusammenhang erkennen, welche Bedeutung jeweils zutreffend ist. Viele Bibelübersetzungen geben es an den meisten Stellen auch dem richtigen Sinn entsprechend wieder. So sollten wir bspw. in 1.Korinther 2:7 und Hebräer 1:2 Zeitalter bzw. Weltzeiten lesen. Doch wenn es um das göttliche Attribut geht, heißt es immer ewig. Er ist der ewige Gott (Röm.1:20), sein Reich ist ein ewiges Reich (2.Petr.1:11), er hat ewiges Leben und er ist der König der Ewigkeiten (1.Tim.1:20). In diesem Zusammenhang müssen wir die Ewigkeit als geistliche Dimension verstehen, die über Zeit und Raum steht.

 

Es gibt Bibelstellen in denen es nicht so erheblich ist, ob seit ewigen Zeiten, im Sinne von einem langen Zeitraum, Zeitalter oder tatsächlich Ewigkeit gemeint ist. An manchen Stellen jedoch kann es für die praktische Umsetzung unseres Glaubens einen großen Unterschied bedeuten, was wir unter Ewigkeit verstehen.

So wurde bei den verschiedenen Geboten und Verordnungen für Israel, wie z.B. das Öl für den Leuchter oder die Bekleidung für die Priester, immer wieder betont: Dies soll eine ewige Ordnung für euch sein! (2.Mos.27:21; 28:43).

Eine ewige Ordnung – wirklich für immer gültig? Warum hat Gott dann einen neuen Bund eingesetzt, durch den sogar eine Aufhebung des vorher gültigen Gebotes erfolgt? (Hebr.7:18).

Wahrscheinlich ist es hier sinnvoller, die ewige Ordung aus dem Blickwinkel der Heilszeitalter zu verstehen. Dann bedeutet ewig lediglich für die Dauer des Zeitalters des Gesetzes (der Alte Bund) und nicht so, dass die alten Verordnungen für immer gelten und bis in das neue Zeitalter der Gnade (der Neue Bund) hineinreichen. Denn die Gemeinde Jesu lebt nach anderen Geboten und Verordnungen mit besseren Verheißungen. Dieses Verständnis ist dann wichtig, wenn es um alttestamentliche Anordnungen für Israel geht, die neuerdings in die neutestamentliche Gemeinde Jesu eingeführt werden sollen, wie z.B. die Einhaltung des Sabbats, weil er doch ein ewiger Bund ist (2.Mos.31:16). Mancherorts wird auch das Blasen des Schofarhorns wieder neu entdeckt, weil auch das als eine ewige, d.h. eine, auch für uns noch gültige, Ordnung verstanden wird (4.Mos.10:8). (Nun, um genau zu sein ist an dieser Stelle nicht von einem Widderhorn die Rede, sondern von Trompeten aus Blech.) Wer meint, das Schofarhorn blasen zu müssen, damit Gott ihm im geistlichen Kampf den Sieg gibt, muss konseqenterweise auch den Sabbat mit allen Geboten einhalten und im Gottesdienst auch dieselben Unterhosen tragen, wie die Priester damals (siehe 2.Mo.28:43).

 

Das grch. aion kann also Ewigkeit oder Zeitalter bedeuten. Die inhaltliche Bedeutung dieser beiden Begriffe ist unterschiedlich. Deshalb müssen wir darauf achten, dass wir die richtige Bedeutung auch an der jeweiligen Stelle einsetzen. In der altgriechischen Gnostik wurde die Ewigkeit als die ewige Wiederkehr aller Dinge verstanden. Es wurde eine Vorstellung von der Ewigkeit vertreten, dass sich die jeweiligen Zeitalter permanent wiederholen. Nichts ist wirklich endgültig vorbei (Vergl. im Buddhismus die Reinkarnation). Die Schreiber des Neuen Testamentes sind gegen die Lehre der Gnostik, die in den jungen Gemeinden Einzug hielt, energisch vorgegangen.

Nach dieser gnostischen Philosophie sind die unerretteten Menschen nicht wirklich auf ewig verloren, sondern nur eine Zeit lang, d.h. für ein Zeitalter, von Gott getrennt. Vielleicht sind das sogar einige tausend Jahre, aber irgendwann haben sie genug gebüßt und gelangen dann auch in die Herrlichkeit Gottes. Eine ewige Qual im Feuer, von dem Jesus sprach (Mt.18:8; 25:41), gibt es nach dieser Ansicht nicht. Einige Theologen vertreten heutzutage wirklich diese These. Sie argumententieren: Gott ist doch so sehr Liebe, dass es seinem Wesen widerspäche, die Sünder auf ewig zu verdammen.

 

Aus dem Blickfeld der Erlösung ergibt sich jedoch folgende Antwort: Wenn der Mensch nicht wiklich auf ewig verloren wäre oder es irgendeine andere Möglichkeit zu seiner Erlösung gäbe, wäre Jesus nicht gestorben. Das sehen wir deutlich, als Jesus im Garten Getsemane nach einer anderen Lösung als das Kreuz gerungen hatte (Mt.26:39; Mk.14:34-36; Lk.22:42-44). Das Sterben Jesu am Kreuz für unsere Sünden, als einzige Möglichkeit zu unserer Erlösung, war maßgeblicher Inhalt der Verkündigung der Apostel (Apg.4:12).

 

Zurück zur Ewigkeit. Die Frage hierbei ist doch, wenn der Mensch stirbt und in die Ewigkeit hinüber geht, wie lange dauert diese Ewigkeit? Ein oder zwei Zeitalter lang oder tatsächlich für immer? Nun, für manch einen mag es ein, hoffentlich heilsames, Aufschrecken bedeuten. Aber wir müssen uns wirklich dessen bewusst sein, dass an dieser Stelle die Ewigkeit auch tatsächlich Ewigkeit bedeutet – für immer und ohne Ende.

 

Die Bibel kennt im Wesentlichen dieses und das zukünftige Leben oder dieses und das zukünftige Zeitalter bzw. diese und die zukünftige Welt (Eph.1:21; 1.Tim.4:8). Diese natürliche Welt (inclusive aller Zeitalter) und das irdische Leben sind zeitlich begrenzt und somit vergänglich. Die zukünftige, geistliche Welt hingegen bleibt ewig.

 

2. Korinther 4:18

… da wir nicht auf das Sichtbare sehen, sondern auf das Unsichtbare; denn was sichtbar ist, das ist zeitlich; was aber unsichtbar ist, das ist ewig.

 

1. Johannes 2:17

Und die Welt vergeht und ihre Lust; wer aber den Willen Gottes tut, der bleibt in Ewigkeit.

 

In diesen und anderen Bibelstellen wird der Kontrast zwischen dem Vergänglichen und und dem, was ewig ist, deutlich. Die natürliche Welt hat einen absoluten Anfang und ein tatsächliches Ende. Der natürliche Mensch stirbt irgendwann. Doch alles, was nach dieser Weltzeit und diesem Leben kommt, ist ewig und dauert nicht nur eine länge Zeitspanne. Die Ewigkeit dauert bedeutend länger, als unser kurzes irdisches Leben. Deshalb ist es für jeden Menschen ratsam, sich dringend mit der Ewigkeit zu befassen.

Was geschieht nun mit dem Menschen, dessen Lebenszeit in dieser Welt abgelaufen ist?

 

Hebräer 9:27

Und so gewiß es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben, danach aber das Gericht

 

Das Gericht, grch. krisis, bedeutet hier eine gerichtliche Untersuchung zur Unterscheidung und Trennung.

 

Hebräer 6:1-2

Darum wollen wir die Anfangsgründe des Wortes von Christus lassen und zur vollen Reife übergehen, wobei wir nicht nochmals den Grund legen … mit der Lehre von … dem ewigen Gericht.

 

Das grch. Wort für Gericht an dieser Stelle heißt krimatos, was weniger den Untersuchungsprozess meint, sondern vielmehr das Ergebnis, woraufhin dann das Urteil gefällt wird. Die Konsequenzen, die sich daraus ergeben, dauern ewig an, weshalb es auch das ewige Gericht heißt. Ewig beinhaltet hier auch eine Endgültigkeit, die keine Berufung mehr ermöglicht.

 

In der Ewigkeit wird also zwischen den Menschen ein Unterschied gemacht. Dieser Unterschied besteht darin, ob jemand Jesus als seinen Herrn und Retter angenommen hat oder nicht.

Die Bibel macht deutlich, dass es in der Ewigkeit zwei Kategorien gibt. Ganz profan ausgedrückt sind das der Himmel und die Hölle oder die ewige Herrlichkeit in der Gegenwart Gottes und die ewige Qual in der Finsternis.

 

Matthäus 25:46

Und sie werden in die ewige Strafe hingehen, die Gerechten aber in das ewige Leben.

 

Wer jetzt an Jesus glaubt, wird dann ewig in der Herrlichkeit Gottes leben und wer Jesus abgelehnt hat, wird ewig verloren sein. Die Entscheidung, wo der Mensch seine Ewigkeit verbringt, trifft er in diesem Leben und zwar nur hier. In der Ewigkeit gibt es keine weitere Chance mehr.

 

Johannes 3:15

Damit jeder, der an ihn glaubt, nicht (ewig) verloren geht, sondern ewiges Leben hat.

 
Das Ende unseres menschlichen Lebens als Gläubige ist also nicht das Grab, sondern die Ewigkeit in der Herrlichkeit und Gegenwart Gottes (Röm.5:2; 8:18; Joh.14:1-3; Luk.16:22; 23;43).
 

Archiv 03-2011 wugffo.de