Die Majestät Gottes

Die Majestät Gottes

Autor: Markus Rex

 

Als Kinder Gottes und Nachfolger Christi leben wir nach Werten und Maßstäben, die Gott in seinem Wort gesetzt hat. Wir gehören nicht länger zur alten gefallenen Schöpfung, sondern zum neuen Menschen, der in Christus nach Gottes Wesensart erschaffen wurde. Weil Gott heilig ist, sollen auch wir nun heilig leben.1 Weil Gottes Wesen Liebe ist, sollen auch wir in Liebe wandeln.2 Weil Gott gerecht ist, wird er von uns also nichts erwarten, was wir zum einen gar nicht tun können und zum anderen nichts, was Gott nicht auch selbst tun würde.

Allerdings gibt es Schriftstellen, die eine scheinbare Diskrepanz zwischen dem zeigen, was von uns erwartet wird, zu dem, wie Gott sich selbst zeigt und wie er selbst handelt.

 

Zum Beispiel werden wir aufgefordert, uns selbst zu verleugnen. Gott selbst kann und wird sich jedoch niemals verleugnen.

 

Matthäus 16,24

Da sprach Jesus zu seinen Jüngern: Wenn jemand mir nachkommen will, so verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!

 

2 Timotheus 2,13

… wenn wir untreu sind, so bleibt er doch treu; er kann sich selbst nicht verleugnen.

 

Weiterhin werden wir ermahnt, nicht zornig zu sein. Wenn wir aber die Briefe im Neuen Testament aufmerksam lesen, bemerken wir, dass auf den Zorn Gottes immer wieder hingewiesen wird.

 

Kolosser 3,8

Jetzt aber legt auch ihr das alles ab – Zorn, Wut, Bosheit, Lästerung …3

 

Römer 1,18

Denn es wird geoffenbart Gottes Zorn vom Himmel her über alle Gottlosigkeit und Ungerechtigkeit der Menschen, welche die Wahrheit durch Ungerechtigkeit aufhalten4

 

Dann sollen wir nicht eifersüchtig sein. Gott hingegen ist ein eifersüchtiger Gott.

 

Römer 13,13 RELB)

Lasst uns anständig wandeln wie am Tag; nicht in Schwelgereien und Trinkgelagen, nicht in Unzucht und Ausschweifungen, nicht in Streit und Eifersucht5

 

5 Mose 6,14-15

Und ihr sollt nicht anderen Göttern nachfolgen, unter den Göttern der Völker, die um euch her sind – denn der HERR, dein Gott, der in deiner Mitte wohnt, ist ein eifersüchtiger Gott–,damit nicht der Zorn des HERRN, deines Gottes, gegen dich entbrennt und er dich von der Erde vertilgt.6

 

Auch sollen wir uns nicht rächen bzw. erlittenes Unrecht nicht vergelten. Aber Gott wird eines Tages vergelten.

 

Römer 12,17.19

17 Vergeltet niemand Böses mit Bösem

19 Rächt euch nicht selbst, Geliebte, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben: »Mein ist die Rache; ich will vergelten, spricht der Herr«.

 

Hebräer 10,30

Denn wir kennen ja den, der sagt: »Die Rache ist mein; ich will vergelten! spricht der Herr,« ...

 

Wir werden ermahnt, einander nicht zu richten. Doch Gott wird einmal jeden Menschen richten.

 

Römer 14,13

Darum lasst uns nicht mehr einander richten …7

 

2 Timotheus 4,1

Daher ermahne ich dich ernstlich vor dem Angesicht Gottes und des Herrn Jesus Christus, der Lebendige und Tote richten wird, um seiner Erscheinung und seines Reiches willen.8

 

So mancher ist über die o.g. kontroversen Aussagen schon gestolpert. Warum sollen für die Kinder Gottes Maßstäbe gelten, an die sich Gott selbst nicht hält? Das reicht dann bis zur Frage nach der Vergebung. Warum hat Gott Adam und Eva ihre Übertretung nicht einfach vergeben? Von uns erwartet er ja schließlich auch, dass wir einander bedingungslos und augenblicklich vergeben.

 

Diese Fragen tauchen auf, wo das Wesen Gottes nicht richtig verstanden und entsprechend eingeordnet wird. Zu oft wird er in unserem Denken vermenschlicht. Das rührt daher, dass er uns in Christus so nahe gekommen ist, dass er uns Söhne und Töchter nennt und wir ihn Vater oder sogar Papa nennen dürfen. Aber so wunderbar das ist, wir dürfen nicht zu weit gehen und Gott mit einem Menschen gleichsetzen oder uns mit ihm auf eine Stufe stellen. Natürlich weiß ich, dass die Gläubigen mit Christus erhöht wurden, aber es besteht immer noch ein großer Unterschied zwischen Gott und uns Menschen. Wenn wir das beim Bibellesen beachten, lösen sich gewisse Ungereimtheiten auf.

 

Gott ist kein Mensch, er ist Gott.9 Er ist so erhaben und einzigartig, dass es nichts gibt, womit wir Gott vergleichen könnten.

 

Jesaja 40,18.25

18 Wem wollt ihr denn Gott vergleichen? Oder was für ein Ebenbild wollt ihr ihm an die Seite stellen?

25 Mit wem wollt ihr mich denn vergleichen, dem ich gleich sein soll? spricht der Heilige.

 

Jesaja 45,5.18.21-22

Ich bin der HERR und sonst ist keiner; denn außer mir gibt es keinen Gott …

18 Denn so spricht der HERR, der Schöpfer der Himmel–Er ist Gott–,der die Erde gebildet und bereitet … Ich bin der HERR, und sonst ist keiner!

21 War ich es nicht, der HERR? Und sonst gibt es keinen anderen Gott, einen gerechten Gott und Erretter; außer mir gibt es keinen! Wendet euch zu mir, so werdet ihr gerettet, all ihr Enden der Erde; denn ich bin Gott und keiner sonst!

 

Gott ist das Haupt von allem.10 Niemand und nichts ist größer als er.11 Er ist »Seine Majestät« Gott ist Schöpfer, Gesetzgeber, Richter – und jetzt auch unser Retter und Vater. Vor ihm müssen sich alle Knie beugen und ihm allein gehört die Ehre.12

 

Gott ist in seinem Wesen auch vollkommen, durch und durch heilig und völlig gerecht. Ja, auch wir sind in Christus heilig und gerecht geworden. Trotzdem werden wir auf dieser Erde inmitten der gefallenen Schöpfung immer unvollkommen und mit Makeln behaftet sein. Obwohl wir wiedergeborene Kinder Gottes geworden sind, leben wir noch mit unserer fleischlichen Natur und haben noch mit selbstsüchtigen Ambitionen, verletzten Gefühlen, und dergleichen zu tun und dementsprechend denken und handeln wir oft ungerecht. Deshalb sollen wir uns als Nachfolger Christi ja auch selbst verleugnen. Das heißt wir sollen unseren Eigennutz und unser eigenes Wollen hintenanstellen und nach seinem Willen leben.

Im Gegensatz zu uns Menschen hat Gott in sich selbst nichts Negatives oder »Fleischliches«, was er verleugnen müsste. Er ist absolut rein und vollkommen gut, so dass er sich selbst gar nicht verleugnen kann.

 

Wenn uns etwas gegen den Stich geht, werden wir schnell zornig und je nach Temperament auch wütend. Weil wir im Zorn selten tun, was in Gottes Augen richtig ist, sollen wir den Zorn ablegen. Aufgrund von verletzten Gefühlen schwelgen wir in Rachegelüsten, anstatt zu vergeben.

Gott hingegen handelt nie aus einer bloßen Gefühlslage heraus. Sein Zorn richtet sich allein gegen das Böse. Wegen seiner Heiligkeit tritt er jeder Form der Sünde unnachgiebig entgegen.

Als höchste Instanz des Universums richtet er die Welt in absoluter Gerechtigkeit, fern von jeglichen persönlichen Rachegelüsten aufgrund verletzter Eitelkeiten.

 

Wir sollen nicht eifersüchtig auf andere sein. Kleine Kinder werden hin und wieder eifersüchtig, wenn ihre Geschwister die Zuwendung von der Mama bekommen, die aus ihrer Sicht ihnen selbst zusteht. Manchmal geschieht das auch unter Gemeindegliedern, wenn sie meinen, der Pastor mag sie nicht und würde andere ihnen vorziehen. Eifersucht hat mit Reibereien untereinander bzw. mit unserer »Unheiligkeit« zu tun.

Gottes Eifersucht hingegen hat mit seiner Heiligkeit zu tun, wenn er für die Ehre seines Namens eifert. Wer sich zu ihm bekennt, soll auch zu ihm gehören, und zwar ganz und gar. Jakobus vergleicht unsere Beziehung zu Gott mit einer Ehe. Wer zu Gott gehört, darf keinen weiteren Liebhaber neben ihm haben. Die Eifersucht Gottes ist eine heilige Eifersucht. Menschliche Eifersüchteleien sind dagegen »fleischlich« und daher verwerflich.

 

Eine selbstgerechte Haltung und geistliche Überheblichkeit kann dazu führen, über andere den Stab zu brechen und sie zu verurteilen. Oftmals handelt es sich dabei nicht etwa um ein schwerwiegendes Fehlverhalten des anderen, sondern um Bagatellen oder Gewissensfragen. Deshalb spricht Gott vorwurfsvoll zu uns: »Du aber, was richtest du deinen Bruder?« (Röm 14,10). Wir sollen andere nicht richten.

Gott hingegen ist in einer viel höheren Position, als wir. Er ist nicht nur der Schöpfer Himmels und der Erde, sondern auch Gesetzgeber13, also die höchste juristische Instanz im Universum. Paulus stellte die rhetorische Frage: »Wie könnte Gott sonst die Welt richten?« (Röm 3,6). Gott wird also nicht nur, er muss sogar richten.

 

Wenn es auch keinen angemessenen Vergleich mit Gott gibt, können Beispiele aus unseren Umfeld helfen, das Wesen Gottes besser zu verstehen. In Deutschland sind Selbstjustiz und der Besitz von Waffen verboten. Aber gleichzeitig sind Polizisten bewaffnet und Straftätern wird der Prozess gemacht. Es ist deshalb so, weil es zwischen Privatpersonen und der staatlichen Institution einen Unterschied gibt. Der Staat behält sich das Recht vor, das alleinige Gewaltmonopol zu besitzen.

Unsere Beziehung zu Gott ist wie die zwei Seiten einer Münze. Es ist nur eine Münze, aber mit zwei Seiten, die wir nicht voneinander trennen können. Die o.g. Anweisungen gelten uns als Privatpersonen bzw. als einzelne Individuen. Gott ist zwar auch eine Person, aber gleichzeitig bekleidet er sozusagen das höchste Amt im Universum.

 

Stellen wir uns einen Gerichtssaal vor. Der vorsitzende Richter, blickt von seinem erhöhten Stuhl ernst auf den Jugendlichen vor ihm. Ohne Ansehen der Person muss er Recht sprechen. Nach Ende der Verhandlung trifft er wieder auf den junge Mann, der im Foyer auf ihn wartete. Er geht auf ihn zu, legt ihm warmherzig seinen Arm um die Schulter und sagt: »Lass uns nach Hause gehen, Sohn.« Dieser erwidert freudig: »Ja Papa, gehen wir.«

 

Unsere Beziehung zu Gott hat zwei Seiten. Einerseits ist er unser »Papa«, dem wir uns als seine Kinder unbekümmert nahen dürfen. Andererseits sollen wir ihm gegenüber mit angemessenem Respekt und der nötigen Wertschätzung auftreten. Wohlgemerkt steht der folgende Vers im Neuen Testament.

 

Hebräer 12,28,29

Darum, weil wir ein unerschütterliches Reich empfangen, lasst uns die Gnade festhalten, durch die wir Gott auf wohlgefällige Weise dienen können mit Scheu und Ehrfurcht! Denn unser Gott ist ein verzehrendes Feuer.

 

Es gibt einen Unterschied zwischen der Arbeitswelt und dem trauten Heim. Wenn wir Gott effektiv dienen wollen, müssen wir uns ihm gegenüber angemessen verhalten. Wir dürfen ihn nicht als unseren Kumpel ansehen, sondern als unseren Chef bzw. als unseren Herrn. Er weist an und wir folgen. Aber nach erledigter Arbeit genießen wir die Nestwärme in seinem Schoß.

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1 Vergl. 1 Petrus 1,15-16

2 Vergl. Epheser 5,1-2

3 S. Epheser 4,26.31; Jakobus 1,19-20

4 S. Epheser 2,3; Hebräer 3,10-11.17

5 S. 1 Korinther 13,4 (Luth. 1975); Galater 5,19-20

6 S. 2 Mose 20,5; vergl. 1 Korinther 10,22; Jakobus 4,4-6

7 S. Matthäus 7,1; Jakobus 4,12

8 S. Römer 2,16; 1 Petrus 4,5

9 S. 4 Mose 23,19

10 Vergl. 1 Korinther 15,24-28

11 Vergl. Römer 11,33-36; Hebräer 6,13-16

12 Römer 14,11; Jesaja 42,8.12; Römer 16,27

13 Jesaja 33,22

 

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