und sie redeten in Zungen

…und sie redeten in Zungen

Autor: Markus Rex

 
Pfingsten wird als die Geburtsstunde der Gemeinde Jesu verstanden. Jesus befahl seinen Jüngern, in Jerusalem auf die Gabe des Heiligen Geistes zu warten. Zu Pfingsten war es dann endlich soweit “und sie wurden alle vom Heiligen Geist erfüllt und fingen an, in anderen Sprachen (Zungen) zu reden, wie der Geist es ihnen auszusprechen gab” (Apg.2:4). Nie zuvor in der Geschichte hat es etwas Vergleichbares gegeben. Es wird nichts darüber ausgesagt, ob die Jünger überhaupt in Zungen reden wollten. Sie waren einfach dem Befehl Jesus gehorsam, gaben sich dann dem Heiligen Geist hin und Er konnte sich daraufhin durch die Jünger in eben dieser Weise manifestieren. Die Zungenrede ist nicht wildes, unkoordiniertes Geplapper, sondern eine wirkliche Sprache. Allerdings eine Sprache, die man nicht erlernt hat. Sogar oftmals eine Sprache die nicht einmal auf der Erde verbreitet ist. Sie wird vom Heiligen Geist übernatürlich eingegeben und vom Menschen lediglich ausgesprochen. Dadurch können wir übernatürlich mit Gott kommunizieren, bleiben geistlich rege und unser Glaube wird stimuliert. Jede Gabe des Heiligen Geistes kommt schon im Alten Testament der Bibel vor. Nur die Zungenrede nicht. Wir können davon ausgehen, dass Gott die Zungenrede für extra für dieses Zeitalter des Neuen Bundes aufbewahrt hat. Das ist im biblischen Sinne das Zeitalter der Gemeinde Jesu. Jeder, der an Jesus Christus glaubt, gehört dazu. Jesus selbst hat schon angekündigt, dass diese Gläubigen in Seinem Namen in neuen Zungen reden werden (Mk.16:17).
Im Übrigen ist es normal, dass der Christ übernatürliche Dinge erlebt. Wer an Gott glaubt, glaubt auch an Wunder. Sonst ist Gott zu klein, als dass wir von “Gott” sprechen können.

Wenn auch nahezu alle christlichen Kirchen auf die eine oder andere Weise an die Gabe des Heiligen Geistes glauben, gibt es doch zur Zungenrede eine erhebliche Kontroverse. Die Vertreter der pfingstlich-charismatischen Bewegung, mit der wir uns verbunden fühlen, bejahen und praktizieren sie. Andere Christen meinen, Zungenrede gibt es nicht – zumindest heute nicht mehr. Dazu wird 1.Korinther 13:8-10 angeführt: “…seien es Sprachen (Zungenrede), sie werden aufhören … wenn aber einmal das Vollkommene da ist, dann wird das Stückwerk weggetan”.

Was auch immer das “Vollkommene” ist, wenn es heute da ist, dann hätte nach der o. g. Bibelstelle auch die Erkenntnis aufgehört. Offensichtlich ist das nicht so, denn es gibt heute noch Erkenntnis in geistlichen Dingen, auch wenn sie “Stückwerk” ist. Das Vollkommene, von dem Paulus hier spricht, ist also noch nicht gekommen. Wir dürfen annehmen, dass es sich vielmehr auf den Himmel bezieht, wo wir den HERRN und die geistlichen Realitäten “von Angesicht zu Angesicht” sehen werden (1.Kor.13:12). Wir halten fest: Die Zungenrede hat nicht aufgehört, sondern ist heute noch genauso aktuell wie damals.

Des Weiteren wird behauptet, die Zungenrede sei eher schädlich als nützlich. Tatsächlich wurde im 2. und 3. Jahrhundert mancher “Hokuspokus” damit betrieben. Schon in den griechischen Tempeln der Antike wurde in ekstatischer Verzückung mit stammelnden Worten orakelt, was vom Priester dann gedeutet wurde. Das dürfen wir aber nicht mit der echten, vom Heiligen Geist gewirkten Zungenrede vergleichen. Vielleicht wurde der Zungenrede angesichts dieses kulturellen Erbes in der Gemeinde in Korinth deshalb ein so hoher Stellenwert eingeräumt, dass sie sich damit sogar gegenseitig zu beeindrucken versuchten. Menschen probieren damals wie heute manche geistliche Dinge auf ungeistliche und natürliche Weise aus. Paulus musste daraufhin einiges ordnen und in die richtigen Bahnen lenken. Er hat die Zungenrede deswegen aber nicht abgelehnt, sondern ihr ihren Platz im persönlichen Gebetsleben wie auch in der Versammlung zugewiesen (siehe 1.Kor.14). Dass es etwas Unechtes gibt, sagt aber noch lange nicht aus, dass es nicht auch das Echte gibt. Wir halten fest: Es gibt die echte, vom Geist Gottes gewirkte Zungenrede.

Nun nehmen auch Christen für sich in Anspruch, die Gabe des Heiligen Geistes empfangen zu haben und sträuben sich dennoch gegen die Zungenrede. Die Frage hierbei ist: Kann man mit dem Heiligen Geist erfüllt sein, jedoch ohne in Zungen zu reden? Ähnliche Fragen können wir ja auch bezüglich anderer Themen stellen: Ist es möglich Christ zu sein, ohne sich taufen zu lassen? Wenn auch zögernd würden wir doch zustimmen. Trotzdem haben wir den Auftrag, die Gläubigen zu taufen (Mt.28). Oder: Kann man Christ sein, ohne zu einer Gemeinde zu gehören? Auch hier gibt es nur ein sehr zurückhaltendes “Ja”. Die Bibel macht nämlich deutlich, dass die Gläubiggewordenen sich verbindlich einer Ortsgemeinde anschließen sollen, was mit einschließt, die Gottesdienste regelmäßig zu besuchen (Apg.2:41; Hebr.10:25).

Die biblische Norm zur Erfüllung mit dem Heiligen Geist ist: …und fingen an, in anderen Sprachen (Zungen) zu reden, wie der Geist es ihnen auszusprechen gab” (Apg.2:4). Ähnlich sehen wir es in Apostelgeschichte 10:44-46 und Kapitel 19:6. Wer die Gabe des Heiligen Geistes empfangen hat, mag die Zungenrede wegen irgendwelcher Vorbehalte bei sich unterdrücken. Gemäß dem biblischen Zeugnis trägt er aber das Potential dafür in sich und ist vom Geist Gottes dazu befähigt.

An dieser Stelle will ich noch kurz auf die Gaben des Heiligen Geistes nach 1.Korinther 12 eingehen. Eine der dort aufgelisteten neun Gaben ist “verschiedene Arten von Sprachen (Zungen)”. In der öffentlichen Gemeindeversammlung hat diese Gabe nicht jeder und diese, wie alle Gaben manifestieren sich so, wie der Geist will.

Im Unterschied dazu werden wir im privaten Gebetsleben ermutigt, in der “persönlichen Zungenrede” ,die jeder geisterfüllte Christ hat, zu sprechen. Und zwar zur eigenen geistlichen Auferbauung (1.Kor.14:4; Jud.20). Wir halten fest: Jeder geisterfüllte Christ kann und sollte in Zungen reden.

 

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