Zweifle nicht

(Ver-) Zweifle nicht oder Glauben ohne zu wanken

Autor: Markus Rex

 

Gott hat uns seine Zusage gegeben, dass er unsere Gebete erhört, wenn wir ihn um etwas bitten. Trotzdem passiert es manchmal, dass es nicht so läuft, wie wir es erbeten und daraufhin erwartet haben. Da Gott sich niemals verändert und immer tut, was er uns in seinem Wort mitgeteilt hat, kann es nur an uns liegen, wenn bestimmte Gebete nicht erhört worden sind. Deshalb tendieren Gläubige manchmal dazu, einen Schuldkomplex aufzubauen: »Aha, ich habe also nicht genug geglaubt.« Der wird durch eine oberflächliche Beurteilung ihrer Lage durch andere noch verstärkt, die in dieselbe Kerbe hauen. Dadurch werden sie quasi in eine Sackgasse gedrängt und bleiben ohne Ausweg zurück. Besser ist es, sich immer in einem Lernprozess zu sehen, indem man ernsthaft bemüht ist, herauszufinden, was man bei sich ändern sollte.

Eine mögliche Antwort, warum manche unserer Gebete nicht erhört werden, finden wir in Jakobus 1,5-8

 

Wenn es aber jemand unter euch an Weisheit mangelt, so erbitte er sie von Gott, der allen gern und ohne Vorwurf gibt, so wird sie ihm gegeben werden. Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht; denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die vom Wind getrieben und hin- und hergeworfen wird. Ein solcher Mensch denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen wird, ein Mann mit geteiltem Herzen, unbeständig in allen seinen Wegen.

 

Zunächst einmal sagt der Vers 5, dass Gott ein Geber ist. Er gibt gern, wenn wir uns wegen einer bestimmten Sache an ihn wenden, und zwar ohne uns deswegen irgendwelche Vorhaltungen zu machen. Das ermutigt uns, mit unseren Anliegen freimütig zu ihm zu kommen, nicht wahr? Hier handelt es sich um Weisheit, die wir von Gott erbitten können, aber das Prinzip dahinter beinhaltet natürlich auch alle anderen Bedürfnisse.

 

Im o.g. Bibeltext wird uns gesagt, auf welche Weise wir die Dinge bekommen können, um die wir Gott bitten bzw. warum wir in manchen Fällen leer ausgehen.

Betrachten wir die Verse 6 und 7:

 

Er bitte aber im Glauben und zweifle nicht …
Ein solcher Mensch (jemand der zweifelt) denke nicht, dass er etwas von dem Herrn empfangen wird.

 

Wenn wir Gott um einen bestimmten Segen bitten und ihn auch erhalten wollen, ist es also von größter Bedeutung, nicht zu zweifeln. Dieses Nicht-Zweifeln bedeutet hauptsächlich, nicht hin- und herzuwanken, wie es uns im obigen Bibelabschnitt ausführlich geschildert wird: »… denn wer zweifelt, gleicht einer Meereswoge, die vom Wind getrieben und hin- und hergeworfen wird … ein Mann mit geteiltem Herzen, unbeständig in allen seinen Wegen.«

 

Da möchte bspw. jemand seine Heilung durch Gebet empfangen. Er beruft sich dabei auf die Bibelstellen in Jakobus 5,15 und Markus 16,18. »… und der Herr wird ihn aufrichten … und sie werden sich wohlbefinden«. Gleichzeitig erinnert er sich an das ärztliche Attest und fühlt die körperliche Schwäche. Sein Verstand sagt ihm, dass er durch ein simples Gebet niemals von einer so schweren Krankheit geheilt werden kann. Das Wort Gottes ist für ihn nur eine Stimme von vielen. Er stimmt ihm zwar prinzipiell zu, lässt sich aber durch gegenteilige Informationen leicht verunsichern und wankt so hin und her. Jakobus sagt, dass er das Erbetene auf diese Weise nicht erhalten wird. Das mögen wir als unfair oder hart empfinden. Das »Im-Glauben-empfangen« erscheint uns vielleicht als schwierig oder gar unmöglich. Aber so steht es nun mal in der Bibel und wir sollten uns der biblischen Norm anpassen.

Gott will nicht nur einer unter vielen in unserem Leben sein. Er will, dass wir ihm vor allen anderen unser Vertrauen entgegenbringen. Neben der Bibel gibt es noch viele andere Informationsquellen in der Welt. Wir sollten uns immer auf Gottes Seite stellen, indem wir seinem Wort vor allem anderen glauben und uns nicht durch andere Informationen verunsichern lassen.

Gemäß Matthäus 14,19 ging Petrus auf Jesu Wort hin tatsächlich kurzzeitig auf dem Wasser, weil er ihm vertraute. Als er aber den starken Wind bemerkte, begann er zu sinken. Jesus tadelte ihn: »Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?« (v.31). Das Wort für Zweifeln an dieser Stelle heißt distazo, was sich von di-stas ableitet, »Auf zwei Seiten stehend«. Petrus wollte im Glauben an das Wort Jesu auf dem Wasser gehen, sah aber gleichzeitig auf die bedrohlichen Umstände und fürchtete sich (was negativer Glauben ist). Das ging nicht gut.

 

In Jakobus 1 und an nahezu allen anderen Stellen im NT wird für Zweifeln das griechische Wort diakrino verwendet. Der Wortstamm krino wird im NT meistens mit richten übersetzt. Es beinhaltet aber auch ein Beurteilen oder ein Unterscheiden bzw. Entscheiden. In 1 Korinther 6,2,4 heißt es zum Beispiel:

 

Wisst ihr nicht, dass die Heiligen die Welt richten werden? Wenn nun durch euch die Welt <gerichtet werden soll, seid ihr dann unwürdig, über die allergeringsten Dinge zu entscheiden?
Wenn ihr nun über Angelegenheiten dieses Lebens Entscheidungen zu treffen habt, so setzt ihr solche zu Richtern ein, die bei der Gemeinde nichts gelten!

 

Das Wort krino bedeutet also auch, Entscheidungen zu treffen. Das geschieht in der Regel auf der Grundlage von vorliegenden Informationen bzw. Fakten, die uns bekannt sind. Als moralisch freie Wesen müssen wir permanent entscheiden, welchen Weg wir gehen bzw. in welche Richtung wir leben wollen. Die beste und zugleich bedeutsamste Entscheidung, die ein Mensch treffen kann, ist die für Jesus.

Kommt zu krino jetzt die Vorsilbe dia1 hinzu und wird es so zum Wort dia-krino, bedeutet es unter anderem, dass zwar auch über eine bestimmte Sachlage befunden wird, allerdings ohne zu einer abschließenden Entscheidung zu kommen. Alle Möglichkeiten werden beleuchtet und es wird erwogen, in die eine oder andere Richtung zu gehen. Aber am Ende ist man sich doch unschlüssig darüber, welchen Weg man einschlagen soll und geht nirgendwo hin. In diesem Zusammenhang bedeutet Krino den tatkräftigen Entschluss zu fassen, den Aussagen der Bibel zu glauben und daraufhin zu handeln. Dia-krino dagegen heißt unschlüssig zu sein und deshalb nichts zu tun oder nur halbherzig bei der Sache zu sein. Sobald die Gefühlslage oder die Umstände etwas anderes vermitteln, weicht man von der ersten Position wieder ab und hält sich an das, was die natürlichen Sinne uns sagen.
Im Kommentar zum NTR heißt es dazu:
»In der Gesinnung gespalten sein; im Denken, Fühlen und Entscheiden hin- und hergerissen werden; von verschiedenen Interessen getrieben sein; daher: wankelmütig, wankend und unentschlossen, ein geteiltes Herz habend.«2
 

Wir müssen in unserem Leben Entscheidungen treffen – und diese auch entschlossen durchziehen. Wer unschlüssig bzw. wankelmütig ist, bleibt leicht auf der Strecke.
Stell dir vor, du hörst eine Predigtreihe darüber, wie man geistlich reifer wird und beschließt daraufhin am Abend des nächsten Tages anstatt fernzusehen in der Bibel zu lesen. Aber gerade an diesem Tag war die Arbeit besonders anstrengend und du bist abends müder als sonst. Nicht selten wird in solchen Fällen ein zuvor gefasster Entschluss über Bord geworfen, denn wir sind ja schließlich nicht gesetzlich.
Ähnliche Situationen, in denen eine Entscheidung von uns erwartet wird, sind z.B. zur Gebetsversammlung zu gehen, beim Arbeitseinsatz in der Gemeinde mitzumachen oder einem Freund beim Renovieren zu helfen. Weil der eine oder andere nicht weiß, wie er sich zur entsprechenden Zeit fühlt, drückt er sich davor, eine klare Zusage zu geben. So mancher hat Angst, sich festzulegen, weil die Durchführung unangenehm oder schwierig werden könnte.

 

Klare Entscheidungen zu treffen bzw. sich auf eine bestimmte Sache festzulegen, hat mit Verbindlichkeit zu tun. Viele Leute heiraten zum Beispiel nicht mehr, weil sie sich nicht binden wollen. Sie wollen sich eine Hintertür offen lassen. Man sollte auch nicht heiraten bzw. eine Verbindung eingehen, wenn man kein Vertrauen zueinander hat. Vor jeder Entscheidung sollte man sich fragen, ob man sich verbindlich darauf einlassen kann und will.

 

Unser Glaube hat direkt mit Entscheidungen zu tun, die wir getroffen haben. Wir stellen uns entschieden auf Gottes Seite bzw. auf sein Wort. Wir bekennen unseren Glauben und leben ihn aus. Wir sprechen Gottes Wort über unserer aktuellen Situation aus. Es ist zwar Gottes Wort, aber es kommt aus unserem Mund. Wie sehr wir einem spezifischen Wort der Bibel in einer konkreten Situation wirklich glauben, hat nicht zuletzt auch mit unserer Person zu tun. Wer selbst verbindlich lebt, in dessen Augen sind auch Gottes Zusagen verbindlich, und er traut ihnen, wenn sie aus seinem Mund kommen. Für den der hingegen unverbindlich lebt, haben Worte bzw. Festlegungen auch von anderen nicht viel Wert. Wendet er sich z.B. wegen Heilung an Gott und bekennt euphorisch, dass sich sein Zustand ab jetzt bessert, ist es nur ein Lippenbekenntnis bzw. nur eine äußere Technik. Aber innerlich traut er der ganzen Sache nicht so recht. Er möchte zwar gesund werden und stimmt mit den Aussagen der Bibel überein, aber von ganzem Herzen kann er den Worten nicht uneingeschränkt glauben.

 

Entschossenheit hat auch damit zu tun, mit einer Sache bis zum Schluss durchzuhalten. Wer vorhat, seine Wohnung zu renovieren, kann sich die Arbeit entsprechend seiner Zeit einteilen, wie er will. Hier ist der Spruch wahr: Die Arbeit läuft ja nicht davon. Je nachdem wie intensiv er dranbleibt, ist er damit früher oder später fertig. Wer dagegen auf einem Fluss eine Paddeltour stromaufwärts unternehmen möchte, muss bis zur nächstmöglichen Anlegestelle durchhalten. Ansonsten treibt er zurück und muss dieselbe Strecke nochmals zurücklegen. Legt man zu viele Pausen auf dem Wasser ein, kann es passieren, dass man sein Ziel überhaupt nicht erreicht. So mancher, der Gott für einen bestimmten Segen glaubte und anfangs am Wort Gottes festhielt, hat aufgegeben, weil der Segen sich nicht so schnell manifestierte, wie erwartet.

 

Diese Lektion hatte selbst Abraham, unser Vater des Glaubens3, lernen müssen. Von der ersten Verheißung in 1 Mose 12 bis zur Geburt Isaaks in Kapitel 21 vergingen etwa 25 Jahre. Nachdem er 12 Jahre gewartet hatte, wurde er ungeduldig und er versuchte, die göttliche Verheißung mit eigenen Kräften zustande zu bringen, was zur Geburt Ismaels führte.4 Zu diesem Zeitpunkt hielt er es für unwahrscheinlich, dass er mit Sara noch einen Sohn zeugen könnte, d.h. er glaubte Gott in dieser Sache nicht mehr. Als er fast hundertjährig war, erschien ihm der HERR und bekräftigte die Verheißung. Abrahams Reaktion darauf lesen wir in 1 Mose 17,17:

 

Da fiel Abraham auf sein Angesicht und lachte und sprach in seinem Herzen: Sollte einem Hundertjährigen ein Kind geboren werden, und Sarah, die Neunzigjährige, sollte gebären?

 

Kurze Zeit später erschien ihm der HERR nochmals, als er zuhause bei seiner Frau Sara war, und prophezeite der Sara, dass sie in einem Jahr einen Sohn haben würde. In 1 Mose 18,12 lesen wir, dass sich Sara ähnlich verhielt, wie Abraham:

 

Darum lachte sie in ihrem Herzen und sprach: Nachdem ich verblüht bin, soll mir noch Wonne zuteilwerden! Dazu ist mein Herr ein alter Mann!

 

Das Lachen ist hier ein Zeichen von Unglauben. Abraham hatte einen Bund mit Gott. Er wandelte mit Gott und war ihm völlig hingegeben. Aber diese konkrete Verheißung glaubten er und Sara zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Sie sind in diesem konkreten »Glaubensprojekt« wankend geworden. Gemäß dem, was wir aufgrund von Jakobus 1 festgestellt haben, hätten sie den Isaak gar nicht bekommen dürfen. Trotzdem wurde Isaak geboren. Nun könnte jemand sagen, dass es aufgrund der Prophetie geschah, die Gott ein Jahr zuvor gegeben hatte – und was Gott sagt, das geschieht eben. Das NT betont dagegen, dass sie Isaak aufgrund ihres Glaubens empfingen.5 Wir haben aber gerade festgestellt, dass sie – zumindest zeitweise – nicht geglaubt hatten. Wie passt das zusammen?

 

Wenn wir für etwas Bestimmtes beten, liegt zwischen dem, wo wir es im Glauben empfangen haben und dem Endziel, wo wir es tatsächlich in den Händen halten, eine mehr oder weniger lange Zeitspanne. Solch ein konkretes Glaubensprojekt ist, wie oben schon erwähnt, vergleichbar mit einer Paddeltour stromaufwärts. Manchmal erreichen wir unser Ziel nicht, weil wir vor der Zeit aufgegeben haben. So manches Mal erhalten wir nicht, um was wir gebetet haben, weil wir unterwegs aufgehört haben, es tatsächlich zu glauben. Wir sind zurückgewichen bzw. sind wankend geworden. Wenn wir aber das Ziel anvisieren und entschlossen durchhalten, kommen wir oft schneller an, als wir denken.

Bei einem Autorennen zählt nur, wer bei der letzten Runde als Erster durchs Ziel fährt. Der Verlauf der vorherigen Runden spielt dann keine Rolle mehr.

 

Abraham hatte einige Rückschläge einstecken müssen. Aber Römer 4,19-21 beschreibt seine letzte »Runde« bzw. sein letztes Jahr in seinem Glauben für Isaak:

 

Und er wurde nicht schwach im Glauben und zog nicht seinen Leib in Betracht, der schon erstorben war, weil er fast hundertjährig war; auch nicht den erstorbenen Mutterleib der Sara. Er zweifelte nicht an der Verheißung Gottes durch Unglauben, sondern wurde stark durch den Glauben, indem er Gott die Ehre gab und völlig überzeugt war, dass Er das, was Er verheißen hat, auch zu tun vermag.

 

Diesmal waren er und Sara fest entschlossen, am Wort Gottes festzuhalten und im Glauben zu bleiben und nur ein Jahr später hielten sie ihren Isaak in den Händen. Vermutlich hätten sie ihn schon 20 Jahre früher bekommen können.

Hier können wir von Abraham, dem Vater des Glaubens, lernen, nicht zu zweifeln bzw. zu verzweifeln. Wir sollten lernen, im Glauben nicht wankelmütig zu sein, sondern genauso entschlossen den verheißenen Segen zu ergreifen und nicht wieder loszulassen.

 

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1 Als einzelnes Wort heißt es: wegen o. durch

2 Manfred Roth, »Das Neue Testament«, Kommentar zu Jakobus 1,8

3 Römer 4,1-12

4 1 Mose 16

5 Römer 4,18-22: Hebräer 11,11

 

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