Unsere Hoffnung im Tod

Unsere Hoffnung im Tod

Autor: Markus Rex

 

Kaum ein Thema wird so sehr von der Bevölkerung ignoriert, wie der Gedanke an das eigene Sterben. Zum überwiegenden Teil sind die Menschen Künstler im Verdrängen, was den Tod mit allen Begleiterscheinungen betrifft. (Davon ausgenommen sind die Bestattungsunternehmen.) Trotzdem ist nichts so sicher, wie der Tod, das heißt, ausnahmslos wird jeder einzelne Mensch früher oder später sterben (wenn Jesus nicht vorher wiederkommt), was uns auch Gottes Wort deutlich macht.

 

Psalm 90,12

Lehre uns unsere Tage richtig zählen, damit wir ein weises Herz erlangen! (Schlachter)

Mach uns bewusst, wie kurz unser Leben ist, damit wir zur Besinnung kommen. (H.f.A.)

Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. (Luth)

 

Hebräer 9,27

Und so gewiss es den Menschen bestimmt ist, einmal zu sterben …

 

Manche Menschen leben in der Annahme, der Tod läge vor ihnen und sie hätten noch reichlich Zeit, sich darüber Gedanken zu machen. Aber der Tod liegt nicht vor uns, sondern läuft parallel neben uns her. Das heißt, er kann uns in jedem Augenblick ereilen.

Es ist also ratsam, dass sich jeder Einzelne beizeiten mit Tod und Sterben auseinandersetzt. Auch Christen sollten für sich selbst Klarheit haben, wo die Reise für sie hingeht. Ungewissheit oder nur eine dumpfe Ahnung darüber kann in Zeiten der Not Unsicherheit und Angst auslösen.

 

Was geschieht mit uns, wenn wir physisch sterben? Dazu müssen wir verstehen, dass wir mehr als nur ein Körper sind. Unser ureigenstes Wesen, unsere Persönlichkeit, ist eine Kombination aus Geist und Seele. Die Bibel spricht hier vom inneren Menschen, der unsere wahre Natur beinhaltet. Dieser innere Mensch wurde von Gott geschaffen und existiert ewig. Der innere Mensch, unser Geist, ist physisch zwar nicht fassbar, aber er hat trotzdem eine Gestalt. Diese geistliche Gestalt sieht unserem Körper sehr ähnlich, so dass wir uns im Totenreich bzw. im Himmel wiedererkennen werden.

Im eigentlichen Sterbeprozess verlässt der innere Mensch die körperliche »Hülle« und geht in die geistliche Welt hinüber.

 

Lukas 16,22-23

Es geschah aber, dass der Arme starb und von den Engeln in Abrahams Schoß getragen wurde. Es starb aber auch der Reiche und wurde begraben. Und als er im Totenreich seine Augen erhob, da er Qualen litt, sieht er den Abraham von ferne und Lazarus in seinem Schoß.

 

Jesus sagte vom armen Lazarus, dass er von den Engeln in »Abrahams Schoß« getragen wurde. Es ist anzunehmen, dass der Begriff »Abrahams Schoß« das Paradies meint. Aber wie auch immer. Es war ein Ort, der sich völlig vom Ort der Qual unterschied, an dem der reiche Mann landete. Lazarus wurde von den Engeln dorthin geleitet. Daraus können wir schließen, dass kein Christ im Augenblick seines Todes einsam und verlassen ist.

Jemand der abrupt aus dem Leben gerissen wird, wie z.B. durch einen Unfall, erlebt diese Heimreise möglicherweise nicht so bewusst wie der Lazarus und kommt erst im Himmel wieder zu sich. Aber die Tatsache bleibt bestehen, dass er selbst, d.h. seine eigentliche Persönlichkeit, nach Hause geht.

 

Noch etwas anderes fällt im Bericht von Lukas 16 auf. Der Reiche ist im Totenreich während sein Körper im Grab liegt. Trotzdem kann er immer noch sehen, sprechen, fühlen und sich erinnern. Er ist hellwach.

Gläubige fahren nicht ins Totenreich hinab. Spätestens seitdem Jesus die Erlösung vollbracht hat, befindet sich das Paradies (oder Abrahams Schoß) im Himmel. Wenn Christen sterben, gehen sie in das Paradies Gottes ein und befinden sich nicht in einem Schlafzustand irgendwo zwischen Himmel und Erde, während sie auf die Auferstehung der Toten warten.

Manche sagen, Jesus hätte in Lukas 16 die menschliche Existenz nach dem Tod nur gleichnishaft umrissen, und dass wir deshalb seine Aussagen darüber nicht wörtlich nehmen dürften. Aber das übrige NT bestätigt unser Weiterleben im Himmel, und zwar augenblicklich nach unserem Ableben auf der Erde.

 

2 Korinther 5,1.6-8

Denn wir wissen: Wenn unsere irdische Zeltwohnung abgebrochen wird, haben wir im Himmel einen Bau von Gott, ein Haus, nicht mit Händen gemacht, das ewig ist.

Darum sind wir allezeit getrost und wissen: Solange wir im Leib daheim sind, sind wir nicht daheim bei dem Herrn. Denn wir wandeln im Glauben und nicht im Schauen. Wir sind aber getrost und wünschen vielmehr, aus dem Leib auszuwandern und daheim zu sein bei dem Herrn.

 

Philipper 1,23

Denn ich werde von beidem bedrängt: Mich verlangt danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre;

 

2 Petrus 1,13-15

Ich halte es aber für richtig, solange ich in diesem Leibes–Zelt bin, euch aufzuwecken, indem ich euch erinnere, da ich weiß, dass ich mein Zelt bald ablegen werde, so wie es mir auch unser Herr Jesus Christus eröffnet hat. Ich will aber dafür Sorge tragen, dass ihr euch auch nach meinem Abschied jederzeit diese Dinge in Erinnerung rufen könnt.

 

Wenn wir unsere sterbliche Hülle abgelegt haben, schweben wir nicht wie Gespenster umher. Wir bewegen uns in unserer geistlichen Gestalt und drücken uns weiterhin mit allen Merkmalen unserer Persönlichkeit aus. Das Ziel bzw. das Ende unseres Lebens ist nicht der Tod, sondern der Himmel, wo wir in der Herrlichkeit Gottes leben werden.

Gewissermaßen leben wir auf der Erde im Exil. Unsere tatsächliche Heimat ist der Himmel. Wie viel wir hier auch besitzen mögen, wir können nichts mitnehmen. Wie sehr wir die schönen Dinge auch schätzen. Ich glaube, dass wir in der Schönheit des Himmels davon nichts vermissen werden. Wer in diesem Leben um Jesu willen auf etwas verzichtet, kommt trotzdem nicht zu kurz. Und ganz gleich wie schlecht es ihm gehen mag, gemessen an der Herrlichkeit Gottes fällt das dann nicht mehr ins Gewicht.

 

Der Himmel ist Teil unserer Hoffnung. Wir sind wiedergeboren zu einer lebendigen Hoffnung, zu einem unvergänglichen Erbe, das uns im Himmel erwartet.1 Durch unsere Hoffnung sind wir schon jetzt untrennbar mit dem Himmel verbunden. Hebräer 6,19 sagt:

 

Diese Hoffnung halten wir fest als einen sicheren und festen Anker der Seele, der auch hineinreicht ins Innere, hinter den Vorhang …

 
 

Ein weiterer Teil unserer Hoffnung ist die Auferstehung von den Toten. Fast das gesamte Kapitel 15 im 1. Korintherbrief widmet sich diesem Thema. Weil einige Gläubige in Korinth unschlüssig waren, versuchte Paulus, sie von der Tatsache der zukünftigen Auferstehung zu überzeugen. Die Thessalonicher meinten, dass Jesus noch zu ihren Lebzeiten wiederkommen würde. Als dann die ersten Gemeindeglieder starben, waren sie verunsichert und baten Paulus um Aufschluss darüber, wie es denn nun weitergeht. Daraufhin schrieb er ihnen in 1 Thessalonicher 4,13-18:

 

Ich will euch aber, Brüder, nicht in Unwissenheit lassen über die Entschlafenen, damit ihr nicht traurig seid wie die anderen, die keine Hoffnung haben. Denn wenn wir glauben, dass Jesus gestorben und auferstanden ist, so wird Gott auch die Entschlafenen durch Jesus mit ihm führen. Denn das sagen wir euch in einem Wort des Herrn: Wir, die wir leben und bis zur Wiederkunft des Herrn übrigbleiben, werden den Entschlafenen nicht zuvorkommen; denn der Herr selbst wird, wenn der Befehl ergeht und die Stimme des Erzengels und die Posaune Gottes erschallt, vom Himmel herabkommen, und die Toten in Christus werden zuerst auferstehen. Danach werden wir, die wir leben und übrigbleiben, zusammen mit ihnen entrückt werden in Wolken, zur Begegnung mit dem Herrn, in die Luft, und so werden wir bei dem Herrn sein allezeit. So tröstet nun einander mit diesen Worten!

 

Bezüglich der Totenauferstehung werden in diesem Abschnitt auch Jesu Wiederkunft und die Entrückung der Gläubigen genannt. Manchmal entsteht eine Verwirrung, weil alles in einen Topf geworfen wird. Aufgrund der biblischen Zeugnisse darüber halte ich die folgende zeitliche Abfolge für wahrscheinlich:

 

1. Wer in Christus stirbt, ist fortan in der Herrlichkeit Gottes im Himmel.

2. Jesu Erscheinen aus dem Himmel, zusammen mit den bereits verstorbenen Heiligen.

3. Die körperliche Auferstehung dieser verstorbenen Heiligen von den Toten.

4. Die lebenden Gläubigen werden mit ihnen zusammen entrückt »zur Begegnung mit dem Herrn in die Luft.«

5. Die physische Verwandlung des durch die Sünde sterblichen zum verherrlichten Leib.

6. Die Hochzeitsfeier der Gemeinde mit Jesus im Himmel, (während der siebenjährigen Trübsal auf der Erde).

7. Die sichtbare Wiederkunft Jesu und Beginn des tausendjährigen Friedensreiches, in welchem Jesus mit seinen Heiligen regiert.

 

Auch wenn ich hier nicht auf alle Punkte im Einzelnen eingehe, wollte ich sie der Vollständigkeit halber zumindest genannt haben.

 

Zurück zu 1 Thessalonicher 4. Der Vers 18 sagt uns: »So tröstet einander mit diesen Worten.« Wir sollten nicht traurig sein, wie die, die keine Hoffnung haben (v.1). Durch unsere Hoffnung wird unsere Lebensqualität erheblich verbessert, denn als Christen brauchen wir keine Angst mehr vor dem Tod zu haben, denn wir sind von Todesfurcht befreit worden.2

 

Römer 8,38-39 sagt:

 

Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben ….. uns zu scheiden vermag von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.

 

Wenn wir auch an den Segen Gottes, wie z.B. Heilung, glauben, so glauben wir doch zuerst an Gott selbst. Der erste Petrusbrief ermahnt uns, dass unser Glaube und unsere Hoffnung auf Gott ausgerichtet bleiben sollten.3 Wenn der Segen ausbleibt – aus welchen Gründen auch immer – bleiben wir weiterhin mit Gott und seiner Liebe zu uns verbunden.

 

Römer 14,7-9

Denn keiner von uns lebt sich selbst und keiner stirbt sich selbst. Denn leben wir, so leben wir dem Herrn, und sterben wir, so sterben wir dem Herrn; ob wir nun leben oder sterben, wir gehören dem Herrn. Denn dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig geworden, dass er sowohl über Tote als auch über Lebende Herr sei.

 

Wir glauben nicht nur für dieses Leben an Gott.4 Unser Glaube reicht darüber hinaus. Wir haben eine echte Perspektive.

Unser Glaube reicht weiter, als dieses irdische Leben. Wir glauben, »dass dieser Gott unser Gott ist für immer und ewig; er führt uns über den Tod hinaus!« (Ps.48:15). Das bedeutet, dass wir all´ unsere Lieben, die in Christus gestorben sind, eines Tages wiedersehen werden. Der Tod ist für uns kein Abschied für immer.

 

Das bedeutet aber auch, dass unsere Lebensplanung über den körperlichen Tod hinaus reichen muss. Es ist schon eine Genugtuung, zu wissen, dass wir in nichts zu kurz kommen. Auch wenn wir noch nicht alles ausgekostet haben, was dieses Leben so zu bieten hat. Wenn wir so leben, wie es Gott gefällt, wartet ein unverwelkliches Erbe, ein großer Lohn im Himmel auf uns.

 

Philipper 1,20-21

… entsprechend meiner festen Erwartung und Hoffnung, dass ich in nichts zuschanden werde, sondern dass in aller Freimütigkeit, wie allezeit, so auch jetzt, Christus hoch gepriesen wird an meinem Leib, es sei durch Leben oder durch Tod. Denn für mich ist Christus das Leben, und das Sterben ein Gewinn.

 

Nun, Paulus war nicht lebensmüde, als er schrieb, dass Sterben für ihn ein Gewinn ist. Er hatte dabei den Himmel im Blick. Er sehnte sich danach, bei Christus zu sein: »Mich verlangt danach, aufzubrechen und bei Christus zu sein, was auch viel besser wäre« (Phil 1,23). Paulus wusste, wovon er redet, denn er hatte den Himmel zuvor schon gesehen.5

 

Der Himmel ist ein realer Ort. So wie die Ferienparadiese auf Hawaii oder in Dubai nicht nur in der Traumwelt der Reisebüros vorkommen, sondern tatsächlich existieren, auch wenn du sie noch niemals gesehen hast, so ist auch das Paradies Gottes im Himmel Wirklichkeit. Eigentlich ist der Himmel viel realer, als die natürliche Welt, denn alles Sichtbare ist aus dem Unsichtbaren, also also aus der geistlichen Welt heraus, entstanden.6 Wir sollten uns den Himmel wie den Garten Eden am Anfang der Schöpfung vorstellen. Auf keinen Fall wird er öder sein, als die zukünftige verherrlichte Schöpfung.7

Gemessen an dem, was uns im Himmel erwartet, verliert der Tod seinen Schrecken. Unsere Blickrichtung im Leben sollte so himmelwärts gerichtet sein, dass wir zu jeder Zeit bereit sind, unsere Hoffnung zu bezeugen.8

 

Jetzt sollten wir so leben, dass Christus verherrlicht wird. »… Sei es, dass ich weiterlebe oder den Tod erleide – ich werde ihm so oder so Ehre machen« (Phil 1,20; NTR von 2006).

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1 1 Petrus 1,3-5

2 Hebräer 2,15

3 1 Petrus 1,21

4 1 Korinther 15,19

5 2 Korinther 12,2-4

6 Hebräer 11,3

7 Römer 8,20-21

8 1 Petrus 3,15

 

Monat 01-2013 wugffo.de