Die Erneuerung des Sinnes

Die Erneuerung des Sinnes

Autor: Markus Rex

 

Römer 12,1-2
Ich ermahne euch nun, ihr Brüder, angesichts der Barmherzigkeit Gottes, dass ihr eure Leiber darbringt als ein lebendiges, heiliges, Gott wohlgefälliges Opfer: das sei euer vernünftiger Gottesdienst! Und passt euch nicht diesem Weltlauf an, sondern lasst euch [in eurem Wesen] verwandeln durch die Erneuerung eures Sinnes, damit ihr prüfen könnt, was der gute und wohlgefällige und vollkommene Wille Gottes ist.

 

(Hier empfehle ich, die Verse nach der NTR-Übersetzung, einschließlich aller Kommentare, zu lesen. Siehe Fußnote.)

 

Das Neue Testament hat zwei Botschaften für den Menschen, eine für den Sünder und eine für den Gläubigen. Die Botschaft an den Sünder ist: Du brauchst Jesus! Lass dich retten! Werde von neuem geboren! Die Botschaft an den Gläubigen ist: Erneuere deinen Sinn! Das ist die Dringlichkeit für jeden Christen.

 

Der Sinn, grch. nous, ist ein Begriff der die ganze mentale Welt umfasst: Verstand, Gedanken, Absichten, Meinungen, Vorstellungen, über das Urteilsvermögen bis hin zum Gemüt. In Römer 12,2 geht es hauptsächlich um das Denken, das erneuert werden muss.

 

Warum ist das überhaupt notwendig? Nun, gegenwärtig bestehen zwei unterschiedliche Herrschaftssysteme auf dieser Erde. Das eine System wird als „Weltlauf“, was sich auf den Zeitgeist bezieht, oder auch nur als „Welt“ bezeichnet (grch. aion) und das andere als „Reich Gottes“, wobei das einzig Sichtbare davon die Gemeinde und die Lebensweise der Christen ist. Diese beiden Systeme haben völlig verschiedene moralische Werte, Maßstäbe, Prinzipien und Regeln. Die Gemeinde ist die Gemeinschaft der Gläubigen und die „Welt“ ist die Gemeinschaft der Ungläubigen. Jesus ist das Haupt der Gemeinde. Das Haupt bzw. der „Gott“ der Welt ist Satan.

 

Wir Christen sollen bzw. möchten unter der Herrschaft Jesu, d.h. nach den Prinzipien des Reiches Gottes leben, wie sie uns die Bibel darlegt. Doch gleichzeitig leben wir inmitten dieser Welt mit all´ ihren Einflüssen. Da wir in dieser Welt aufgewachsen sind, haften uns noch so manche Gewohnheiten und Denkschemen unseres „alten“ Lebens an. Manche Christen sind zwischen der „Welt“ und dem Reich Gottes hin und her gerissen. Deshalb ist an uns die Ermahnung von Römer 12,1-2 gerichtet, die im Kern drei Aussagen hat:

 

1. Gib dich Gott ganz und gar hin!

2. Orientiere dich nicht am Zeitgeist, d.h. an den Trends der Welt!

3. Erneuere stattdessen dein Denken mit Gottes Gedanken bzw. mit seinem Wort!

 

Diese drei Punkte sind die Voraussetzung, damit der Prozess der Veränderung überhaupt erst beginnen kann. Das letztendliche Ziel der Veränderung besteht darin, Christus ähnlicher zu werden bzw. in sein Wesen umgestaltet zu werden.
 

Epheser 4,22-24
… dass ihr, was den früheren Wandel betrifft, den alten Menschen abgelegt habt, der sich wegen der betrügerischen Begierden verderbte, dagegen erneuert werdet im Geist eurer Gesinnung und den neuen Menschen angezogen habt, der Gott entsprechend geschaffen ist in wahrhafter Gerechtigkeit und Heiligkeit.

 

Kolosser 3,9-10
Lügt einander nicht an, da ihr ja den alten Menschen ausgezogen habt mit seinen Handlungen und den neuen angezogen habt, der erneuert wird zur Erkenntnis, nach dem Ebenbild dessen, der ihn geschaffen hat;

 

Mit unserer Errettung sind wir neue Menschen in Christus geworden. Eine neue Denkweise ist erforderlich, um uns in dem „neuen Leben in Christus“ zurechtzufinden und uns weiterentwickeln zu können. Vergleichbar ist das mit jemanden, der sich in einem völlig neuen Kulturkreis mit neuen gesellschaftlichen Werten und anderen Gesetzen einbürgern möchte.

 

Dieses Umdenken ist für den gesamten „Leib Christi“ notwendig. Christus ist das Haupt und die Gemeinde ist sein Leib. In einem Körper sind die Nervenbahnen die Verbindung zwischen dem Kopf und den einzelnen Gliedmaßen. Im Leib Christi bildet das erneuerte Denken gewissermaßen diese Nervenbahnen von Christus zu uns. In wieweit eine Gemeinde Christus gemäß handeln kann,hängt von der Erneuerung jedes einzelnen Gliedes ab. Altes „menschliches“ Denken behindert in einem erheblichen Maß unsere Empfänglichkeit für den Plan und Willen Gottes und damit für ein Gemeindeleben im Sinne Gottes. So kommt es, dass in manchen Gemeinden (und bei einzelnen Christen) geistliche Lähmungserscheinungen oder spastische, d.h. eigenwillige Bewegungen zu beobachten sind, die obendrein noch als besonders „geistlich“ deklariert werden.

 

Gott denkt anders, als die Welt. Bei der Erneuerung des Sinnes geht es darum, sich mehr und mehr Gottes Denken anzupassen.
 

Jesaja 55,7-9
Der Gottlose verlasse seinen Weg und der Übeltäter seine Gedanken; und er kehre um zu dem HERRN, so wird er sich über ihn erbarmen, und zu unserem Gott, denn bei ihm ist viel Vergebung. Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR; sondern so hoch der Himmel über der Erde ist, so viel höher sind meine Wege als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken.

 

Matthäus 16,23
Er aber wandte sich um und sprach zu Petrus: Weiche von mir, Satan! Du bist mir ein Ärgernis; denn du denkst nicht göttlich, sondern menschlich!

 

Menschliches Denken stand auch den Jüngern Jesu manchmal in ihrer Nachfolge, bzw. in ihrem Dienst im Weg. Der Dienst Jesu bestand zum großen Teil darin, das Reich Gottes mit seinen neuen Maßstäben zu verkündigen und ihre alten Ansichten zu korrigieren, wie die folgenden Beispiele zeigen:

– Dienen statt Positionsgerangel untereinander (Mar 10,35-45; s. auch Phil 2,9-11)

– „Wisst ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid?“ (Luk 9,51-56)

– „Was Gott gereinigt hat, das halte du nicht für gemein“ (Apg 10,1-29)

– „Geben ist seliger als Nehmen“ (Apg 20,35) u.a.

 

Meines Erachtens ist es besonders in folgenden Bereichen wichtig, das herkömmliche Denken zu verändern:

1. Das Selbstbild bzw. die eigene Identität. Hier gilt es, falsche Prägungen aus dem Elternhaus schlechte Einflüsse aus  dem Umfeld, fragwürdige Idole u.ä. abzulegen und sich das Bild von uns zu eigen zu machen, das die Bibel uns zeigt.

2. Ethik und moralische Werte. Was ist z.B. der weltliche Standard für zwischenmenschliche Beziehungen, für die Ehe und Kindererziehung? Und welches Resultat daraus sehen wir um uns herum? Was sagt andererseits die Bibel dazu?

3. Die Ausübung des Glaubens in der Gemeinde und im persönlichen Leben. In wieweit helfen uns die traditionellen bzw. religiösen Ansichten weiter und wo sollten wir sie ändern.

4. Das Übernatürliche. Rechnen wir wirklich mit Gott bzw. seinem Eingreifen? Glauben wir an Zeichen und Wunder in unserem Leben und Dienst. Strecken wir uns nach den echten Gaben des Heiligen Geistes aus?

 

Wie wird der Sinn denn ganz praktisch erneuert? Wie kommen wir dahin, dass wir wirklich Stück für Stück in das „Bild“ Christi hinein verändert werden (obwohl das natürlich ein lebenslanger Prozess ist).

Ohne die Bibel aufmerksam und intensiv zu lesen, geht es nicht. Die Voraussetzung dafür ist natürlich, dass man sie als Wort Gottes ernst nimmt und ihr mehr Glauben schenkt, als allen anderen Informationsquellen. Ein Grund weshalb Adam und Eva im Garten Eden nicht vom Baum der Erkenntnis essen sollten war, weil Gott ihre Informationsquelle sein wollte. Sie sollten ihre zukünftige Existenzgrundlage allein auf Ihn und Sein Wort aufbauen. (Vergl. dazu Ps 1; Spr 4,20-22; Mark 4,3-20; 1 Thess 2,13; Jak 1,21). Gott weiß natürliche noch viel mehr, als in der Bibel steht, doch sein (auf-) geschriebenes Wort ist das, was für uns bzw. unsere Lebenssituationen relevant ist.

Wer die Bibel mehrmals durchgelesen hat, weiß um deren Inhalt Bescheid. Doch die Bibel ist mehr, als bloße Information für uns. Nicht umsonst sagte Jesus, dass der Mensch vom Wort Gottes lebt, wie von Brot (Matth 4,4; s. auch 5 Mos 8,3). Wir müssen das Wort in uns aufnehmen, sozusagen „verstoffwechseln“, indem wir darüber nachsinnen, bis unser Denken davon angefüllt ist. Auf diese Weise werden unsere Wünsche, unser Selbstbild und unsere Lebens- und Glaubensansichten neu geformt. Das Wort Gottes inspiriert und „beflügelt“ uns innerlich, Gottes Weg einzuschlagen, in freudiger Erwartung der zukünftigen Resultate.

 

Viele Christen,die Gottes Wort ernst nehmen, gehen bis hierher mit. Sie sind begeistert über die Verheißungen und über die neuen Perspektiven für ihr Leben, die sich ihnen eröffnen. Doch dabei bleibt es dann auch. Gleichzeitig fragen sie sich, warum die erwarteten Resultate ausbleiben und alles in ihrem Leben so bleibt, wie es schon immer war.

Echte und dauerhafte Veränderungen geschehen aber nur in dem Maß, wie wir im täglichen Leben nach dem Wort Gottes handeln bzw. das Gehörte und Gelesene im Alltag umsetzen.
 

Jakobus 1,21-25

Darum legt ab allen Schmutz und allen Rest von Bosheit und nehmt mit Sanftmut das euch eingepflanzte Wort auf, das die Kraft hat, eure Seelen zu erretten! Seid aber Täter des Wortes und nicht bloß Hörer, die sich selbst betrügen. Denn wer nur Hörer des Wortes ist und nicht Täter, der gleicht einem Mann, der sein natürliches Angesicht im Spiegel anschaut; er betrachtet sich und läuft davon und hat bald vergessen, wie er gestaltet war. Wer aber hineinschaut in das vollkommene Gesetz der Freiheit und darin bleibt, dieser Mensch, der kein vergesslicher Hörer, sondern ein wirklicher Täter ist, er wird glückselig sein in seinem Tun.

 

Im Gleichnis von den zwei Häusern, die auf Sand bzw. Felsen gebaut wurden, wies Jesus auf dieselbe Sache hin: Nur wenn wir das Wort Gottes tun, hat es einen Nutzen für uns (Matth 7,24-25).

Zusammenfassend können wir vom Nutzen des Wortes Gottes für uns sagen, dass es uns informiert, inspiriert und befähigt. Es befähigt uns, das zu tun, wozu es uns auffordert. Wenn es uns z.B. sagt, dass wir einander vergeben sollen, macht es uns auch dazu fähig, dem anderen zu vergeben, denn das Wort Gottes hat Kraft, es ist Geist und Leben und es ist lebendig und wirksam (Apg 2032; Joh 663; Hebr 4,12).

 

Die Erneuerung des Sinnes bedeutet nicht nur, dass man neue Informationen bekommen und seine Meinung dementsprechend geändert hat, sondern das ist die biblische Bezeichnung für geistliches Wachstum bzw. die Umwandlung des Gläubigen in das Bild Christi hinein. Diese Umwandlung geschieht folgendermaßen:

Da hat z.B. jemand ein aufbrausendes Temperament, mit dem er schon viele Leute um sich herum verletzt hat. Er liest fleißig seine Bibel und hört den Predigten in seiner Gemeinde aufmerksam zu. Dadurch bekommt er die richtigen Informationen und erkennt, dass sein Verhalten nicht richtig ist. Gleichzeitig inspiriert ihn das Wort, seine Wesensart zu verändern, um fruchtbarer für Gott zu leben. Er nimmt sich Zeit, um bspw. über 1 Korinther 13,4 und Epheser 4,1-2 u. 31-32 intensiv nachzusinnen, bis er sich selbst als eine freundliche Person sieht. Doch er muss auch dementsprechend handeln. Wenn ihm jemand unerwartet zu nahe tritt und er sich dadurch provoziert fühlt, spürt er plötzlich nichts mehr von seiner Freundlichkeit und würde am liebsten nach seiner alten Gewohnheit ausrasten. Aber er schenkt dem Wort Gottes mehr Glauben als seinem Gefühl. Er beruft sich darauf, dass er gemäß 1 Korinther 13,4 langmütig und freundlich ist und entscheidet sich augenblicklich, dementsprechend zu reagieren. Natürlich kann es in diesem Umwandlungsprozess seines (charakterlichen) Wesens mehr oder weniger Rückschläge geben. Aber weil er glaubt, dass das Wort lebendig und wirksam ist und ihn deshalb zu einem netten Verhalten und freundlichem Reden befähigt, nimmt er jede Gelegenheit war, im Umgang mit anderen Menschen der Liebe Gottes Raum zu geben. So gewöhnt er sich schließlich eine neue Verhaltensweise an, die der Liebe Gottes entspricht. In diesem Bereich wird dann sein Leben, je nachdem wie konsequent er das Wort Gottes anwendet, früher oder später „verwandelt“ werden.

 

In diesem Beispiel wird keine Selbstsuggestion beschrieben. Es geht lediglich darum, unser Denken der Realität unseres, seit der Wiedergeburt tatsächlichen, neuen geistlichen Wesens anzupassen. Und in dem Maß wie wir das tun, kommt der neue Mensch in Christus zum Vorschein.

 

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Römer 12,1-2 (NTR)

1 Ich ermahne und ermutige euch nun, Brüder, angesichts der Erbarmungen Gottes [die ich euch erläutert habe], eure Leiber als lebendiges Opfer darzustellen, heilig, Gott wohlgefällig; darin besteht euer vernünftiger Gottesdienst. 2 Und lasst euch nicht vom Zeitgeist in die Form dieses Weltsystems pressen, sondern werdet von innen her umgewandelt durch die (grundlegende) Erneuerung des Verstandes, damit ihr prüfen mögt, was der Wille Gottes ist, der gute und wohlgefällige und vollkommene.

 

Fußnoten im Neuen Testament von Manfred Roth:

– in die Form dieses Weltsystems pressen; Barclay: „Wir sollen nicht dieser Welt gleichförmig werden, sondern und im Gegensatz zu ihr verwandeln. Um diesem Gedanken auszudrücken, gebraucht er zwei kaum übersetzbar Wort . Wort, für die man beinahe Sätze braucht, um sie wiederzugeben. Das Wort für dieser Welt gleichförmig sein ist syschematizesthe, von der Wurzel schema, das die äußere Form bedeutet.“ Das Wort vermittelt die Bedeutung: „eine äußere Form annehmen, die nicht dem inneren Wesen entspricht.“ Die hier gemeinte äußere Form ist der gegenwärtige aion, das jetzige Zeitalter. Aion sollte hier nicht mit „Welt“ übersetzt werden, da es insbesondere die Idee einer bestimmten Zeitdauer vermittelt. Die Form des Zeitalters wird bestimmt durch den Zeitgeist, der einen kürzeren oder längeren Abschnitt des Weltlaufs prägt. In 2 Kor 4,4 spricht Paulus vom „Gott dieses aions“ und meint damit den Teufel.

 

von innen her umgewandelt; Barclay: „Das Wort für werdet verwandelt ist metamorphousthe, von der Wurzel morphe, das die wesensgemäße unveränderliche Elementarform einer Sache ausdrückt.“ Metamorphoo beschreibt den Vorgang einer Metamorphse, wie sie aus der Natur bekannt ist: eine Verwandlung der äußeren Form, die von innen heraus geschieht und darum dem eigentlichen Wesen entspricht.

 

grundlegende Erneuerung; Die Wiederneuartigmachung (anakainosis); die Erneuerung, die völlige Umgestaltung zum Guten. Im Griechischen gibt es zwei Wort für „neu“, neos und kainos. Neos bedeutet neu im zeitlichen Sinn; kainos bedeutet neu, was Charakter und Wesen einer Sache betrifft. Der Verstand (nous) soll infolge eines erneuerten Denkens eine neue Qualität erhalten.

 

des Verstandes; (nous) – der Verstand, die Denkfähigkeit, das Denken; der Sinn, der Zustand des Denkens, die Gesinnung, das Er-
gebnis des Denkens

 

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