Das Miteinander in der Gemeinde

Das Miteinander in der Gemeinde

Autor: Markus Rex

 

Im Neuen Testament finden wir verschiedene Bilder und Vergleiche für die Gemeinde. Ein Bild allein reicht eben nicht aus, um die Gemeinde ausreichend zu beschreiben. Jedes Bild will uns einen ganz bestimmten Aspekt vermitteln. Die vielen Aspekte zusammengenommen helfen uns, eine Vorstellung von Gemeinde aus Gottes Sicht zu haben.

 

Einer der besten Vergleiche für die Gemeinde ist die Familie. Als Christen gehören wir zur Familie Gottes. Wir sind aus Gott geboren (Joh.1:12), Gott ist unser Vater (Eph.3) und untereinander sind wir Geschwister.

Jedes Kind braucht eine Familie. Soziale Einrichtungen, mit wieviel Engagement und Ideal sie auch geführt sein mögen, können eine gesunde und starke Familie nicht ersetzen. Genauso braucht jeder Christ seine Gemeinde. Im Grunde gibt es eigentlich nichts, was die Gemeinde ersetzen könnte.

In der Gemeindefamilie gibt es geistliche Eltern, große und kleine Geschwister. Und natürlich gibt es auch Regeln, aber vor allem kümmert man sich umeinander. Es gibt eine ausgewogene geistliche Kost genauso wie Korrektur, falls notwendig.

“Ja, Gemeinde ist im Prinzip schon richtig. Für mich ist es aber nichts!”, argumentieren manche Christen. Das ist dasselbe, als würden sie sagen: “Ich glaube schon an die Wichtigkeit der Ehe und Familie, aber deshalb muss ich doch nicht selbst heiraten, um Sex zu haben!”

 

Ein wesentliches Merkmal der neutestamentlichen Gemeinde ist die Gemeinschaft der Gläubigen untereinander. Die Gemeinde im Neuen Testament spiegelt weniger eine Institution wieder, sonder eher das gemeinsame Treffen miteinander, bzw. die Gemeinschaft der Heiligen untereinander. Das Wort “Gemeinde” bedeutet ja auch “Versammlung”.

 

Apostelgeschichte 2:42

Und sie blieben beständig in der Lehre der Apostel und in der Gemeinschaft und im Brotbrechen und in den Gebeten.

 

Ein anderes Wort für Gemeinschaft (grch.: koinonia) ist Anteilnahme. Das bedeutet sowohl das ehrliche Interesse am Leben des anderen als auch, dass man sich selbst anderen gegenüber aufrichtig mitteilt.

 

Römer 12:13

Nehmt Anteil an den Nöten der Heiligen, übt willig Gastfreundschaft!

 

Philipper 4:14-15

Doch habt ihr recht gehandelt, daß ihr Anteil nahmt an meiner Bedrängnis. Und ihr Philipper wißt ja auch, daß am Anfang der Verkündigung des Evangeliums, als ich von Mazedonien aufbrach, keine Gemeinde mit mir Gemeinschaft gehabt hat im Geben und Nehmen als ihr allein;

 

Gemeinschaft ist keine Einbahnstraße. Niemand sollte in der Gemeinde lediglich ein Konsument sein. Manche Christen möchten nur betreut werden. Sie wollen, dass alle anderen sich um sie und ihre Probleme kümmern. Andere wieder sind der Meinung, dass sie selbst stark genug sind und deshalb keine anderen Christen brauchten. Nun, vielleicht sollten sie deshalb zur Versammlung gehen, weil die “Schwachen” sie heute brauchen (siehe Römer 15:1). Wir haben eine Verantwortung füreinander. Echte Gemeinschaft besteht eben aus Geben und Nehmen.

Hebräer 13:16

Wohlzutun und mitzuteilen vergeßt nicht; denn solche Opfer gefallen Gott wohl!

 

“Mitzuteilen” kann übersetzt werden als: “sich mitteilen” oder “mit anderen zu teilen”. Jedenfalls geht es auch hier wieder um das Miteinander. Es lohnt sich, dieses Miteinander einmal im Neuen Testament zu studieren. Mit Hilfe einer guten Konkordanz sind diese Bibelstellen leicht zu finden, wenn man unter folgenden o.ä. Stichwörtern sucht: einander, miteinander, untereinander. Lasst uns einige dieser Verse betrachten.

 

Römer 15:7

Darum nehmt einander an, gleichwie auch Christus uns angenommen hat, zur Ehre Gottes!

 

Römer 15:14

Ich selbst habe aber, meine Brüder, die feste Überzeugung von euch, daß auch ihr selbst voll Gütigkeit seid, erfüllt mit aller Erkenntnis und fähig, einander zu ermahnen.

 

Galater 6:2

Einer trage des anderen Lasten, und so sollt ihr das Gesetz des Christus erfüllen!

 

Epheser 4:32

Seid aber gegeneinander freundlich und barmherzig und vergebt einander, gleichwie auch Gott euch vergeben hat in Christus

 

Kolosser 3:13

Ertragt einander und vergebt einander, wenn einer gegen den anderen zu klagen hat; gleichwie Christus euch vergeben hat, so auch ihr.

 

Philipper 2:3-4

Tut nichts aus Selbstsucht oder nichtigem Ehrgeiz, sondern in Demut achte einer den anderen höher als sich selbst. Jeder schaue nicht auf das Seine, sondern jeder auf das des anderen.

 

1.Thessalonicher 5:11,13,15

Darum ermahnt einander und erbaut einer den anderen, wie ihr es auch tut!

… und daß ihr sie um so mehr in Liebe achtet um ihres Werkes willen. Lebt im Frieden miteinander! Seht darauf, daß niemand Böses mit Bösem vergilt, sondern trachtet allezeit nach dem Guten, sowohl untereinander als auch gegenüber jedermann!

 

1.Petrus 4:10

Dient einander, jeder mit der Gnadengabe, die er empfangen hat, als gute Haushalter der mannigfaltigen Gnade Gottes:

 

 

Diese und viele andere Schriftstellen machen deutlich, dass es in der Gemeinde nicht um Einzelkämpfer geht. Auch kann kein Christ das Gebot der Liebe umfassend befolgen, der sich von seinen Glaubensgeschwistern zurückzieht, bzw. die Gemeinde ablehnt. In Liebe wandeln kann tatsächlich nur, wer sich der Gemeinschaft der Gläubigen aussetzt.

 

1.Johannes 4:20-21

Wenn jemand sagt: „Ich liebe Gott,“ und haßt (hassen = ablehnen) doch seinen Bruder, so ist er ein Lügner; denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht, wie kann der Gott lieben, den er nicht sieht? Und dieses Gebot haben wir von ihm, daß, wer Gott liebt, auch seinen Bruder lieben (lieben = annehmen) soll.

 

Hebräer 10:24-25

und laßt uns aufeinander achtgeben, damit wir uns gegenseitig anspornen zur Liebe und zu guten Werken, indem wir unsere eigene Versammlung nicht verlassen, wie es einige zu tun pflegen, sondern einander ermahnen, und das um so mehr, als ihr den Tag herannahen seht!
 

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